14:20 11 Dezember 2017
SNA Radio
    Politik

    China: Soziale Unzufriedenheit macht sich breit - "Nesawissimaja Gaseta"

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 01

    Trotz des Wirtschaftsbooms beklagen sich viele Chinesen über ihre Lebenssituation, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Trotz des Wirtschaftsbooms beklagen sich viele Chinesen über ihre Lebenssituation, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Laut einem Bericht der chinesischen Akademie der Gesellschaftswissenschaften, dem so genannten „Blauen Buch“, finden die Bürger im Reich der Mitte, dass ihre Interessen zugunsten der Industrialisierung und Urbanisierung vernachlässigt werden. Großen Protest ruft die Zwangsumsiedlung der Bewohner alter Häuser, an deren Stelle neue Hochhäuser enstehen sollen.

    Experten führen diesen negativen Trend auf die Interessen der Bürokraten zurück. Für Beamte bedeutet die Errichtung neuer Gebäude und Infrastrukturobjekte ein Karrieresprung. Denn durch den Bau neuer Objekte steigt das Bruttoinlandsprodukt der Provinzen, was ein wichtiger Bewertungsfaktor für deren Regierungen ist.

    Laut Angaben der in Taiwan erscheinenden „China Times“ wuchs Chinas BIP 2009 um 8,7 Prozent. Auf die Bauindustrie entfielen dabei 16,1 Prozent des BIPs.

    Im „Blauen Buch“ wurde darauf verwiesen, dass die Zwangsumsiedlung eine der größten Herausforderungen der Urbanisierung Chinas ist. Der Chefredakteur des Berichts, Li Peilin, forderte: „Der Sinn der Urbanisierung besteht darin, die Dorfeinwohner reich zu machen. Wir sollten die Urbanisierung nicht auf ihre Kosten vollziehen.“

    Etwa die Hälfte der während der Studie befragten 4100 Chinesen äußerte die Hoffnung, dass die Regierung eine Preissenkung für ihre neuen Wohnungen erreichen würde.

    Die weiteren wichtigen Gründe für die Unzufriedenheit sind die Korruption und die wachsende Kluft zwischen den Reichen und Armen.

    Laut einem Bericht der Weltbank ist das Gini-Koeffizient (das die Ungleichheit der Einnahmen widerspiegelt) in China zwischen 1991 und 2009 von 0,26 auf 0,47 gestiegen. Falls das Gini-Koeffizient 0,4 übertrifft, ist der Einnahmenunterschied ziemlich groß. Das „Blaue Buch“ zeugt davon, dass etwa ein Prozent der chinesischen Bevölkerung über 41,4 Prozent des Reichtums des Landes verfügt.

    Der russische Asien-Experte Andrej Karnejew sagte in Bezug auf die Situation in der Volksrepublik: „In China geht es um eine typische Krise der wachsenden Erwartungen. Es gibt nichts Außergewöhnliches daran, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung gleichzeitig mit dem Anstieg des Lebensniveaus wächst. Das ist durchaus typisch: Der Kuchen wird immer größer, aber er ist nur für bestimmte Bevölkerungsschichten zugänglich. Die anderen lassen sich das nicht gefallen. Die Kommunistische Partei ist nicht imstande, die Gleichheit aufrechtzuerhalten.“

    Wichtig sei noch ein weiterer Aspekt, fuhr der Experte fort. In China herrsche jetzt Meinungsfreiheit. „Soziale Probleme werden jetzt in den Medien und im Internet offen diskutiert. Das ist beispiellos für dieses Land. Wenn es auch jetzt verboten wäre, akute Themen zu besprechen, dann hätte man von dieser Unzufriedenheit der Menschen nicht einmal gewusst“, so Karnejew.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren