22:56 22 Juni 2018
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    Moskau und London: Zwei Streithähne tasten sich ab – „Kommersant"

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    Moskau und London unternehmen den Versuch der Annäherung, schreibt die Zeitung „Kommersant" am Mittwoch.

    Moskau und London unternehmen den Versuch der Annäherung, schreibt die Zeitung „Kommersant" am Mittwoch.

    Der russische Außenminister Sergej Lawrow vereinbarte während seiner London-Reise zu Wochenbeginn mit seinem britischen Kollegen William Hague, alte Konflikte dergestalt zu lösen, dass sie die Kooperation in anderen Richtungen nicht behindern, in denen es keine Schwierigkeiten gibt. Und dieses Ziel leichter zu erreichen, wurde beschlossen, die Kommunikationsverbindung zwischen dem Kreml und der Downing Street 10 zu erneuern.

    Lawrows erster offizieller London-Besuch seit fast sieben Jahren fand unter negativen Vorzeichen statt. Die britische Justiz ermittelt derzeit gegen die Russin Katia Zatuliveter, frühere Assistentin des Abgeordneten Michael Hancock, die der Spionage für Russland verdächtigt wird. Erst vor ein paar Wochen wurde dem Korrespondenten des britischen „Guardian“, Luke Harding, die Einreise nach Russland untersagt. Das sind nicht die einzigen Schwierigkeiten, die die russisch-britischen Beziehungen belasten. In London hat man immer noch nicht den Skandal um die Vergiftung des früheren FSB-Beamten Alexander Litwinenko im Jahr 2006 und die Probleme des British Councils in Russland vergessen. 

    Auch die Russen erheben Vorwürfe gegen London. Dabei geht es in erster Linie um Personen, denen Asyl gewährt wurde, die aber in Moskau als Verbrecher gelten. Die bekanntesten von ihnen sind der Emissär der tschetschenischen Separatisten, Achmed Sakajew, und der Unternehmer Boris Beresowski.

    Die unangenehmen Themen wurden zum Teil während der Gespräche zwischen Lawrow und Hague erörtert. So bedankte sich der britische Chefdiplomat bei seinem russischen Kollegen für sein persönliches Engagement, Harding wieder die Einreise nach Russland zu ermöglichen. Zudem teilte er Lawrow mit, dass sich ein Gericht mit dem Fall Zatuliveter befasst.

    Ferner brachte Hague seine Besorgnis über das Urteil für den einstigen Yukos-Chef Michail Chodorkowski, das schlechte Investitionsklima und die eher negative Situation um die Menschenrechte in Russland zum Ausdruck. Lawrow erwiderte, dass man auch in Moskau darüber sehr besorgt sei.

    Auf einer Pressekonferenz nach den Verhandlungen gaben die Minister bekannt, dass die Situation in Ägypten, Tunesien und der ganzen Nahost-Region auf der Tagesordnung gestanden hatte und dass eine gemeinsame Erklärung zu Afghanistan unterschrieben worden war. Hague räumte ein, dass die Beziehungen zwischen Moskau und London von Problemen belastet sind, äußerte jedoch die Hoffnung, dass die gegenseitige Verständigung „mit der Arbeit auf den Gebieten beginnt, wo wir keine Widersprüche haben.“ Das galt vor allem den Wirtschaftsbeziehungen.

    Die Äußerungen der Minister zu der Situation in Nordafrika zeigten aber deutlich, dass die Seiten die Welt von verschiedenen Standpunkten betrachten. William Hague befürwortete das Recht des ägyptischen und tunesischen Volkes auf friedliche Kundgebungen und forderte die Behörden anderer Länder auf, dieses Recht zu respektieren. Lawrow warnte seinerseits, dass sich die Weltgemeinschaft nicht in die inneren Angelegenheiten der Völker im Nahen Osten und Afrika einmischen und ein konkretes Lager unterstützen sollte.

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