22:42 17 Dezember 2017
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    Aufstand in Libyen: Gaddafis Tage sind offenbar gezählt - „Nesawissimaja Gaseta“

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    Protestaktionen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi in Libyen (403)
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    In der arabischen Welt werden autoritäre Regimes zu Fall gebracht, die bis zuletzt noch als unerschütterlich galten, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

     In der arabischen Welt werden autoritäre Regimes zu Fall gebracht, die bis zuletzt noch als unerschütterlich galten, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Die Protestwelle breitet sich weiter aus und erfasste jetzt auch Marokko, Algerien und Djibouti.

    Auf Tunesien und Ägypten folgte Libyen, wo die Protestierer sich weder von Tränengas und  Maschinengewehren oder Söldnern beeindrucken ließen. Die weitere Entwicklung der Situation ruft dennoch Besorgnisse hervor. Angesichts des drohenden Sturzes des Staatschefs Muammar Gaddafi und der Versuche seines Sohnes, die Opposition zu einem Kompromiss zu bewegen, scheint das Land bald im Chaos zu versinken.

    Gaddafi, der das Land seit 1969 regiert, steht kurz vor dem Sturz. Trotz der militanten Erklärungen aus seinem Umfeld haben die Sicherheitskräfte am Montag damit begonnen, das von den Massenunruhen erschütterte Tripolis zu verlassen.

    Gaddafis Sohn Saif al-Islam warf am Montag in einer Fernsehansprache der Opposition und den Islamisten vor, das Land zersplittern zu wollen. Zudem warnte er vor einem Bürgerkrieg. Er versuchte, für die Schüsse auf die Demonstranten inkompetente Militärs verantwortlich zu machen und versprach, in zwei Tagen Gespräche über eine Verfassungsreform zu führen.

    „Ihr wollt Demokratie und Rechte? Darüber können wir reden. Wir hätten dies vielleicht schon früher tun sollen“, sagte Saif al-Islam. Zudem drohte er: Entweder Reformgespräche oder Krieg und Tausende Tote. Gaddafis Sohn unterstrich, dass sein Vater im Land bleibt und sich weiter auf die Armee stützt. Er betonte, dass die Regierungsanhänger bis zur letzten Patrone kämpfen werden.

    Trotz des Kriegsgetöses weigerten sich viele Soldaten in einigen libyschen Städten, die Massenprosteste zu stoppen und liefen zu den Demonstranten über.

    Nach einigen Informationen haben die Aufständischen einige Militärstützpunkte erstürmt, wo sich die Panzer und andere schwere Waffen befinden.

    Der Fernsehsender Al-Jazeera berichtete, dass es am Montag erbitterte Kämpfe zwischen den Demonstranten und Gaddafi-Anhängern gegeben hat. In den Straßen sollen Soldaten mit Maschinengewehren auf die Demonstranten geschossen haben.

    In Bengasi, dem Epizentrum der neuen libyschen Revolution, gab es ebenfalls Zusammenstöße. Die Gaddafi-treuen Truppen versuchen ständig, die Kontrolle über die Stadt wiederzuerlangen.

    Die Frage stellt sich, wie es mit Libyen weiter geht und wer als Gaddafis Nachfolger in Betracht kommt. „In Libyen, wo es in den vergangenen 40 Jahren keine Opposition, keine öffentliche Meinung, keine unabhängigen Medien und keine bürgerliche Gesellschaft gegeben hatte, kann man kaum vorhersagen, wer Muammar Gaddafi ablösen kann.

    Falls der Oberst gestürzt wird (ist noch umstritten), wird die Macht anscheinend an diejenige Struktur übergehen, die funktioniert. Ein ägyptisches Szenario (die Armee gelangt an die Macht) ist nicht ausgeschlosssen“, sagte Francois Heisbourg, Sonderberater der Stiftung für strategische Studien (Paris).


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