23:06 22 Oktober 2017
SNA Radio
    Politik

    Nato-Botschafter kritisiert US-Raketenschild-Pläne: „Ein Tschernobyl ist genug“

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 1310

    Russland ist laut Nato-Botschafter Dmitri Rogosin bereit, den Verhandlungen mit den USA über den europäischen Raketenschild so lange Zeit zu geben, wie es ein positives Resultat erfordert.

     Russland ist laut Nato-Botschafter Dmitri Rogosin bereit, den Verhandlungen mit den USA über den europäischen Raketenschild so lange Zeit zu geben, wie es ein positives Resultat erfordert.

    „Unsere amerikanischen Kollegen wissen Bescheid, worin die Position der russischen Seite besteht“, sagte Rogosin am Freitag bei einer von RIA Novosti organisierten Videobrücke Moskau-Brüssel. „Wir erwarten von ihnen in erster Linie klare juristische Garantien und sind bereit, so lange Konsultationen zu führen, wie es für die Durchsetzung eines positiven Resultats notwendig ist. Die Europäer sollen dabei nicht so tun, als seien sie bloß Zuschauer bei diesem 'Tennisturnier'“.

    Die Garantien, die Russland von ihren amerikanischen Partnern bekommen möchte, betreffen vor allem die taktisch-technischen Charakteristika der Raketenabwehrwaffen und deren Stationierungsorte. „Beides muss Parameter haben, die die Möglichkeit bieten, ballistische Ziele geringer und mittlerer Reichweite zu neutralisieren. Sie dürfen aber kein Potential für die Vernichtung der interkontinentalen strategischen Raketen haben, die die Grundlage des russischen Eindämmungspotentials sind.“

    Solche Garantien sollten auch nicht von der innenpolitischen Situation in den USA abhängen, fügte er hinzu.

    Die ideale Variante für die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Nato auf dem Gebiet des Raketenschilds wäre ein integriertes System, in dem eine jede Seite ihre Zuständigkeitszone haben würde, so Rogosin.

    „Durchaus realistisch ist auch eine dritte Variante – ebenfalls ein integriertes System, dessen Sinn darin besteht, dass die Nato ihr Raketenabwehr-Territorium und Russland sein Territorium absichert“, führte er weiter aus. „Wenn man uns aber ein Schema des US-Raketenschilds in Europa zeichnet, so kommt dabei heraus, dass der Sektor, den das amerikanische Raketenabwehrsystem abdeckt, in den Jahren 2018 bzw. 2020 praktisch bis zum russischen Uralgebirge reicht. So haben wir es nicht vereinbart.“

    Die Nato „darf weder eine technische, noch eine politische Möglichkeit haben, die aus Drittländern kommenden Ziele über unserem Territorium abzuschießen“, betonte er. „Ein Tschernobyl reicht uns bereits aus.“