22:05 21 Juni 2018
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    Bei Gaddafi-Sturz: Kreml muss um Energie-Deals bangen – „Nesawissimaja Gaseta"

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    Internationale Sanktionen gegen das Gaddafi-Regime (985)
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    Bei einem Sturz des libyschen Diktators Muammar Gaddafi muss der Kreml um seine milliardenschweren Öl- und Gasabkommen fürchten, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Bei einem Sturz des libyschen Diktators Muammar Gaddafi muss der Kreml um seine milliardenschweren Öl- und Gasabkommen fürchten, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Bei ihrem Einmarsch in Tripolis bekamen die Aufständischen Unterstützung von Untergrundkämpfern. Kurze Zeit später verkündeten sie die Festnahme der  Gaddafi-Söhne Muhammad und Saif al-Islam. Niemand weiß jedoch, wo sich der Diktator verbarrikadiert hat. Einigen Medien zufolge versteckt er sich in einem militärisch geschützten Anwesen in Tripolis. Andere Medien berichteten über seine Flucht aus dem Land. Am Sonntag hatte sich Gaddafi zum letzten Mal mit einer Fernsehansprache gemeldet. Die Rebellen standen zu diesem Zeitpunkt bereits vor den Toren von Tripolis.

    Die Krise in Libyen war im Februar mit Massenprotesten gegen Gaddafi ausgebrochen, die in einen bewaffneten Aufstand und Bürgerkrieg ausuferten. Der UN-Sicherheitsrat reagierte auf das Blutvergießen am 17. März mit einer Resolution zum Schutz der libyschen Zivilisten. Am 19. März startete der Anti-Gaddafi-Einsatz, an dem sich Großbritannien, Frankreich, die USA, Kanada, Belgien, Italien, Spanien, Dänemark und andere Länder beteiligten.

    Wie das russische Außenministerium mitteilte, könnte die Übernahme von Tripolis durch die Rebellen ein Ende des Blutvergießens bedeuten: „Unseres Erachtens sollte die Einstellung der Militäraktionen die Bildung von legitimen Machtorganen und die Festlegung der künftigen demokratischen Prinzipien des Staatsaufbaus zur Folge haben.“

    Zugleich forderte Moskau alle Staaten zur Einhaltung der UN-Resolutionen 1970 und 1973 und zur Zurückhaltung bei den Ereignissen in Libyen auf.

    Viele Experten erwarten, dass Russland nach dem Machtwechsel in Tripolis seine Verträge über die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen in Libyen abschreiben kann. Semjon Bagdassarow, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses in der russischen Staatsduma (Unterhaus), rechnet zudem damit, dass in Libyen die gleiche Situation wie im Irak entstehen könnte, wo die Euphorie nach dem Sturz Saddam Husseins den blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Stämmen gewichen war.

    Der Duma-Abgeordnete sagte, Russland werde bald die neue Regierung in Tripolis anerkennen müssen. „Die Frage ist, wie wir die Beziehungen mit der neuen Regierung aufbauen werden. Eine Rückkehr in die Vergangenheit ist unwahrscheinlich, denn Libyen wird sich ab sofort dem Westen zuwenden.“

    Der Präsidentenbeauftragte für Libyen, Michail Margelow, zweifelt daran, dass die Krise nach dem Gaddafi-Sturz ihr Ende finden wird. „Jetzt kommt ein Machtkampf zwischen den Oppositionsführern“, sagte er. Zugleich verwies der Libyen-Beauftragte auf eine sehr komplizierte Struktur der Eliten in Libyen, weshalb Mitglieder der Königsfamilie und sogar Gaddafis Cousin Ahmad Machtansprüche stellen könnten.

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