00:50 18 Februar 2018
SNA Radio
    Politik

    Serbien kann erst nach Lösung des Kosovo-Problems EU-Mitglied werden - Merkel und Tadic

    Politik
    Zum Kurzlink
    Kosovo-Status (440)
    0 10

    Serbien soll in Zukunft laut Serbiens Präsident Boris Tadic und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein vollberechtigtes EU-Mitglied werden, zunächst muss es aber den Kosovo-Konflikt regeln.

    Serbien soll in Zukunft laut Serbiens Präsident Boris Tadic und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein vollberechtigtes EU-Mitglied werden, zunächst muss es aber den Kosovo-Konflikt regeln.

    Serbien mache sich keine Illusionen, diesen Konflikt in die Europäische Union mitzunehmen, „weil die EU ohnehin genug Konflikte hat“, äußerte Tadic am Dienstag, nach seinem Gespräch mit Merkel in Belgrad. „Serbien will die Konflikte im Westbalkan lösen.“

    Belgrad suche nicht nach „künstlichen Wegen“ zu seiner EU-Mitgliedschaft, hoffe aber, dass Serbien nach den gleichen Kriterien beurteilt wird wie die anderen Kandidaten, fügte er hinzu.

    Wie Tadic betonte, ist Serbien bereit, zusammen mit der EU nach einer Konfliktlösung zu suchen. Diese Lösung müsse aber Achtung gegenüber allen Völkern beinhalten.

    „Man muss eine flexible und kreative Lösung finden, die das normale Leben der Menschen nicht behindert und die Würde des albanischen und des serbischen Volkes nicht verletzt, den europäischen Weg ermöglicht und keine neuen Bedrohungen für die Nachbarländer schafft.“

    Merkel bekundete ihrerseits den Wunsch, Serbien in der EU zu sehen. Allerdings müsse, wie sie sagte, ein Fortschritt bei den Verhandlungen zwischen Belgrad und Pristina erreicht werden.

    Als eine Bedingung für die Regelung des Konfliktes nannte sie das Recht für die Kosovo-Mission der EU (EULEX), auf dem gesamten Territorium der Region zu operieren, darunter auch im Norden, wo die Serben die Mehrheit bilden, wogegen die dortigen Serben bisher waren. Außerdem müsse die Rolle der serbischen Selbstverwaltungsorgane im Kosovo verringert werden, die Merkel als „kosovarisch-serbische Parallelstrukturen“ bezeichnete.

    „Wir wünschen uns, dass Direktgespräche zwischen Serbien und dem Kosovo so geführt werden, dass auch Resultate herauskommen“, zitiert dpa Merkel. „Wir glauben, dass Serbien nach Europa gehört“, sagte sie. Europa werde einen umfassenden Frieden nur bekommen, wenn es Frieden auf dem Balkan gebe.

    Es könnten „nicht alle Fragen mit einem Zug gelöst werden“. Deswegen sei ein schrittweises, pragmatisches Vorgehen sinnvoll, fügte die Bundeskanzlerin hinzu.

    Am Dienstag traf sie auch mit dem serbischen Premier Mirko Cvetkovic zusammen, mit dem sie Wirtschaftsfragen erörterte. Die Kanzlerin versprach, die Zusammenarbeit mit Serbien auf den Gebieten Infrastruktur und Energiewirtschaft zu entwickeln und dabei den Schwerpunkt auf die erneuerbaren Energiequellen zu legen.

    Die meisten EU-Länder, einschließlich Deutschlands, haben die Unabhängigkeit der Provinz Kosovo im Süden Serbiens anerkannt, die die albanischen Behörden der Provinz 2008 ausgerufen hatten. Serbien weigert sich kategorisch, die Souveränität des Kosovo anzuerkennen. In Politiker- und Expertenkreisen gilt es, dass Serbien ohne Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo nicht der EU beitreten kann.

    Themen:
    Kosovo-Status (440)