07:10 23 Juni 2017
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    Erhards Angebot an Moskau: 100 Milliarden D-Mark für DDR - “Nesawissimaja Gaseta”

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    Heute vor 21 Jahren wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Heute vor 21 Jahren wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Seit 1990 gilt der 3. Oktober als Nationalfeiertag der Deutschen. Die zentrale Einheitsfeier findet heute in Bonn im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Christian Wulff statt.

    Obwohl die Wiedervereinigung schon 21 Jahre her ist, kommen immer wieder neue Geschichten ans Tageslicht. Kurz vor dem Feiertag berichtet der “Spiegel“ über den so genannten Erhard-Plan.

    Ludwig Erhard, Vater des deutschen Wirtschaftswunders, wollte als Bundeskanzler von 1963 bis 1966 der Sowjetunion die deutsche Einheit abkaufen. Erhard ging davon aus, dass die wirtschaftlich darbende Sowjetunion dringend Finanzhilfe braucht. Diese Hilfe könne der „Preis für die Wiedervereinigung“ werden, betonte Erhard damals.

    Bei dem geplanten Deal sollten die USA als Vermittler dienen. Der damalige Kanzleramtschef Ludger Westrick nannte im Gespräch mit dem US-Botschafter George McGhee „zweieinhalb Milliarden Dollar pro Jahr für zehn Jahre“ als Summe für die Sowjetunion. Zum damaligen Wechselkurs waren dies rund 100 Milliarden Deutsche Mark.

    Nach „Spiegel“-Informationen betrachteten US-Diplomaten diesen Plan als „unausgegoren und unrealistisch“. Sie räumten ihn „fast keinerlei“ Erfolgsaussichten ein. McGhee sprach von „erheblicher politischer Naivität“. Erhards Wunsch, die US-Regierung möge dem Kreml seinen Plan übermitteln, sei unerfüllt geblieben, schreibt das Nachrichtenmagazin aus Hamburg.

    Kurz danach unterstützte Erhard ein Großrohr-Embargo gegen die UdSSR, das den Bau von Ölpipelines behindern sollte. Im Nachhinein erwies sich das als ungünstig für Deutschland. Erhard verstand damals nicht, dass Washington in Zeiten des Kalten Krieges kaum bereit ist, einen Kurswechsel beim Rüstungswettlauf in Europa vorzunehmen. Was die finanzielle Seite der Wiedervereinigung betrifft, kostete sie dem Vater der Einheit, Helmut Kohl, viel weniger als Erhard dafür bezahlen wollte.



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