03:06 24 November 2017
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    Russische Wirtschaft vor Stagnation – "Wedomosti"

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    Die russische Industrie ist auf Talfahrt, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Dienstag.

    Die russische Industrie ist auf Talfahrt, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Dienstag.

    Das geht aus einer Mitteilung des Föderalen Statistikamtes Rosstat hervor, die kürzlich veröffentlicht wurde. Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum im September auf 3,9 Prozent verlangsamt. Seit August machte die Verlangsamung 0,3 Prozent aus. Bis zuletzt war die Industrieproduktion um etwa 0,5 Prozent pro Monat gewachsen.

    Das sei die Reaktion auf eine neue Krisengefahr, findet Valeri Mironow vom Entwicklungszentrum der Wirtschaftshochschule: Der Optimismus, dank dem die Industrieproduktion größer als die Nachfrage gewesen sei, wäre endgültig verschwunden. Bis zuletzt habe man gehofft, dass die Kapitalflucht nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen gestoppt werden und das Investitionsklima verbessert werden könnte, so der Experte. „Jetzt aber haben alle Angst vor einer Rezession, einer Preissenkung für Rohstoffe und einem Rückgang des Exports.“

    Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei erwartet worden, räumte Alexander Morosow (HSBC) ein. Sie hätte aber bei fünf Prozent liegen sollen: Niemand habe damit gerechnet, dass sie so drastisch sein werde.

    Auf die neue Krisengefahr haben vor allem exportorientierte Branchen reagiert, stellte Wladimir Salnikow vom Zentrum für makroökonomische Analyse und kurzfristige Prognostizierung fest. „Neben der Öl- und Gasbranche waren das die Hütten-, die chemische und die Holzindustrie“, präzisierte er.

    Laut Rosstat ging die Ölförderung um 2,9 Prozent zurück, die Flüssiggasproduktion um 0,9 Prozent, die Benzin- bzw. Dieselproduktion um jeweils 1,8 und 6,7 Prozent. Die Baustoffproduktion schrumpfte um 3,9 bis 16,1 Prozent.

    Auffallend sei die gesunkene Ölförderung, sagte Morosow weiter. Der Grund dafür sei die jüngste Umstrukturierung des Besteuerungssystems: „Seit Oktober ist der Rohölexport günstiger als die Ölverarbeitung. Möglicherweise haben manche Unternehmen ihre Förderungspläne um einen Monat verlegt.“ Damit werde die Ölförderung im Oktober bzw. November wieder wachsen, wobei allerdings die Produktion von Ölprodukten ins Stocken geraten werde, sagte er voraus.

    Sollte die Weltwirtschaft weiterhin stagnieren, könnte die Rezession der russischen Wirtschaft im Oktober noch stärker werden, warnte Valeri Mironow.

    Das Wirtschaftswachstum werde im vierten Quartal bei etwa drei Prozent liegen, vermutete Morosow. Das sei weniger als in den ersten drei Vierteljahren. Am Ende des Jahres werde das Wachstum insgesamt 4,7 Prozent erreichen, was mit einer Prognose des Wirtschaftsministeriums (4,8 Prozent) nahezu übereinstimme. Daran sei nichts Schreckliches, beteuerte Salnikow. Die Wirtschaft erlebe allerdings tatsächlich den Übergang vom Wachstum zur Stagnation, räumte er ein.