16:11 23 November 2017
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    Experten: Russland weiter außerhalb der anti-kapitalistischen Proteste – "Moskowskije Nowosti"

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    In Russland sind Massenproteste von Antiglobalisten kaum möglich, stellt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Dienstag fest.

    In Russland sind Massenproteste von Antiglobalisten kaum möglich, stellt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Dienstag fest.

    Die russischen Linksradikalen sind gespalten und können keine großen Menschenmengen um sich vereinigen. Die Gewerkschaften haben Angst vor den Behörden und sind ebenfalls nicht in der Lage, die Protestbewegung anzuführen. Was abstrakte Losungen wie „Weg mit der Diktatur des Großkapitals!“ angeht, so finden sich auch keine Unterstützung unter den Russen, die vor allem um lokale Probleme im Gesundheits- bzw. Bildungswesen, um geringe Renten usw. besorgt sind.

    Falls es aber in Russland zu einem Aufstand kommen sollte, dann würde das den Behörden viel größere Kopfschmerzen als deren Kollegen in Westeuropa oder Amerika bereiten.

    Während es in Übersee und in der Alten Welt seit Wochen brodelt, bleibt Russland vorerst außerhalb der globalen Protestbewegung. An einer Solidaritätsaktion in Moskau haben am vergangenen Wochenende nur 60 Menschen teilgenommen. Theoretisch könnten die europäischen Protestierer mit der Unterstützung seitens der russischen Antifaschisten rechnen. Dass sie dazu fähig sind, hatten sie im Sommer 2010 im Moskauer Vorort Chimki bewiesen: Damals wurde das Haus der Stadtverwaltung von mehreren Hundert jungen Leuten attackiert, die auf diese eigenwillige Weise gegen den Bau einer neuen Autobahn zwischen Moskau und St. Petersburg durch den Wald in Chimki protestierten.

    „Die russischen Linksradikalen haben kein einheitliches Zentrum – die Anarchisten mögen die Antifaschisten nicht und umgekehrt“, sagte ein Antifaschist namens Iwan zu den ausbleibenden Massenprotesten in Russland. „Außerdem gibt es bei uns keinen offenbaren anti-kapitalistischen Trend. Wenn es gegen Fremdenhass protestiert würde, dann hätten sich Tausende Menschen versammelt.“

    Dass Russland nur am Rande der anti-kapitalistischen Proteste steht, sei darauf zurückzuführen, dass die Großstädte, wo sich die ideologischen Proteste konzentrieren, von der Wirtschaftskrise am wenigsten betroffen seien, sagte der Redakteur der Zeitung „Der Wolja“ („Der Wille“), Wladlen Tupikin. „In manchen Stadtbezirken Madrids erreicht die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen 50 Prozent. Ähnlich war die Situation auch in den afrikanischen Ländern, wo am Anfang des Jahres Revolutionen ausbrachen. In Moskau ist aber alles in Ordnung“, präzisierte er. In anderen Regionen sei die soziale Situation viel schlimmer, aber dort mangele es an der entsprechenden ideologischen Arbeit unter der Bevölkerung.

    Dieser Auffassung stimmte auch Boris Kagarlizki vom Institut für Globalisierung und soziale Bewegungen zu. „Es geht nicht um die Anarchisten, sondern um die Menschen: Die Russen sind sehr passiv und wollen sich nicht konsolidieren. Sie könnten diese oder jene Losungen befürworten und stimmen den Protestierern zu. Sie wollen allerdings nicht selbst auf die Straßen gehen“, stellte er fest.

    Experten sehen keine Kräfte, die einen russischen Protest anführen könnten. Die Gewerkschaften werden das bestimmt nicht sein – sie sind zu Protestaktionen unfähig. Es gibt mehrere relativ starke Verbände, aber sie wollen keine große Menschenmengen versammeln – sie haben andere Aufgaben“, ergänzte Kagarlizki. „Die Initiative könnte in der Perspektive verschiedenen sozialen Bewegungen gehören, die allmählich wachsen und stärker werden“, fügte Karin Kleman, der Leiter des Instituts „Kollektive Handlung“, hinzu.

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