17:47 23 November 2017
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    „Fall Chodorkowski“ in Georgien möglich? – "Moskowskije Nowosti"

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    Prozess gegen Michail Chodorkowski (218)
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    In Georgien könnte es bald eine Art „Fall Chodorkowski“ geben, schreibt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Mittwoch.

    In Georgien könnte es bald eine Art „Fall Chodorkowski“ geben, schreibt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Mittwoch.

    Dort legte sich auch ein Oligarch mit der Staatsführung an und hat bereits die georgische Staatsbürgerschaft verloren.

    Bidsina Iwanischwili, der mit einem Vermögen von 5,5 Milliarden Dollar auf Platz 185 im "Forbes"-Ranking der reichsten Menschen der Welt steht, war in Russland reich geworden. Nach der georgischen „Rosenrevolution“ 2004 zog er dahin um, wo ihm auf eine Sonderverfügung Präsident Michail Saakaschwilis die Staatsbürgerschaft verliehen wurde. Seit dieser Zeit befasste er sich aktiv mit Wohltätigkeit.

    So hat er in Tiflis eine große Kathedrale gebaut, die zu einem der Wahrzeichen der georgischen Hauptstadt wurde; dem Staat einen modernen Erholungspark bei Batumi, der Lieblingsstadt des Präsidenten, geschenkt. Außerdem finanzierte Iwanischwili den botanischen Garten Batumis, wobei die Gehälter der Mitarbeiter doppelt so groß wie in Staatsbetrieben waren. Er hat alle Theater in Tiflis renoviert, neue Fahrzeuge für die georgische Polizei gekauft usw.

    Anfang Oktober hat aber diese lebende Ikone des Saakaschwili-Regimes eine richtige Rebellion gewagt. Der Oligarch machte mehrere Erklärungen, in denen er den Behörden Korruption, Unterdrückung der Oppositionskräfte, Kontrolle über Massenmedien usw. vorwarf.

    „Mischa, halte an! Du stehst doch am Rande eines Abgrundes! Halte an!“, wandte sich Iwanischwili an den Staatschef. „Ich habe dir nie Hinweise gegeben, die durch meine eigenen Interessen bedingt wären. Auch jetzt rate ich dir in deinem eigenen Interesse: tritt doch endlich zurück!“

    Der Oligarch kündigte die Bildung einer Partei an, die er an die Macht führen würde. Er selbst würde gern Ministerpräsident oder Parlamentsvorsitzender werden. Außerdem bot er allen Journalisten, die wegen ihrer politischen Überzeugungen arbeitslos wurden, neue Arbeit an.

    Diese Demarche wurde in Georgien unterschiedlich bewertet. Die Behörden erkannten Iwanischwili die georgische Staatsbürgerschaft ab, zumal es sich herausstellte, dass er seit 2004 außerdem eine französische besitzt.

    Der Klassiker der georgischen Literatur, Tschabua Amiredschibi, der 16 Jahre in den Stalin-Lagern verbracht hatte, sieht in Iwanischwili eine Art Messias, dessen Mission die Befreiung des georgischen Volkes von Saakaschwili sei.

    Weniger exaltierte Menschen aus den Geschäftskreisen finden jedoch, der wohltätige Oligarch wolle in Georgien nicht nur sein Geld ausgeben, sondern auch etwas verdienen. Denn die Ansprüche der Behörden wachsen, wobei Iwanischwili Immobilien bzw. Grundstücke nicht kaufen dürfe. Manche Quellen behaupten, Iwanischwili wolle sich gegen unnötige Probleme absichern, denn er habe unter seinen Top-Managern einen Informanten der Behörden entdeckt und sich auf einmal an den geheimnisvollen Tod des Oligarchen Badri Patarkazischwili im Jahr 2008 erinnert.

    Merkwürdigerweise hat der Konflikt zwischen Iwanischwili und Saakaschwili kein großes Aufsehen in der Gesellschaft ausgelöst. Die Zeitung schließt daraus, dass die Menschen einfach Angst vor dem Regime haben.

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