05:30 21 November 2017
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    Biografie: Muammar al-Gaddafi

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    Libyen: Rebellen erklären Gaddafi für tot (91)
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    Der ehemalige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi, der am Donnerstag von den Rebellentruppen bei dem Versuch, in einem Auto aus der Stadt Sirte zu flüchten, gefasst wurde, hat nach Angaben von Reuters schwere Verletzungen erlitten und ist kurz nach der Festnahme verstorben.

    Der ehemalige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi, der am Donnerstag von den Rebellentruppen bei dem Versuch, in einem Auto aus der Stadt Sirte zu flüchten, gefasst wurde, hat nach Angaben von Reuters schwere Verletzungen erlitten und ist kurz nach der Festnahme verstorben.

    Muammar al-Gaddafi (Muammar Muhammad Abdassalam Abu Minyar al-Gaddafi), Revolutionsführer, ein politischer und militärischer Führer der Sozialistischen Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija wurde, so heißt es verschiedentlich, am 13. September 1942 in Tripolitanien (Libyen) geboren. Anderen Angaben zufolge ist er 1940 zur Welt gekommen. Wie Gaddafi selbst schrieb, ist er im Frühjahr 1941 in einem Beduinenzelt 30 Kilometer südlich von Sirte zur Welt gekommen.

    Der Vater von Muammar al-Gaddafi war Beduine aus dem Stamm der Guededfa, er hütete Ziegen und Kamele. Die Mutter und drei ältere Töchter führten den Haushalt.

    Im Alter von neun Jahren ging Gaddafi in die Grundschule und danach in die Oberschule in Sebha. In der Schule gründete Gaddafi eine Jugend-Untergrundorganisation, die den Sturz der damaligen Staatsordnung anstrebte (Nachdem Libyen 1949 unabhängig von Italien geworden war, wurde Libyen einige Jahre später ein Königreich unter König Idris I.). Gaddafis politische Ansichten bildeten sich unter Einfluss des ägyptischen Anführers, Sozialisten und Panarabisten, Gamal Abdel Nasser. 1959 wurde Gaddafi in die Universität Bengasi aufgenommen, wo er Rechtswissenschaften studierte und ein Interesse an marxistischen Ideen zeigte. 1964 absolvierte Gaddafi sein Studium an der Universität und beschloss, die Offiziersausbildung an der Militärakademie zu absolvieren, um anschließend eine vertiefte militärische Ausbildung in Großbritannien zu erhalten.

    Die Angaben über Gaddafis Ausbildung sind nicht eindeutig. Nach einigen Angaben wurde Gaddafi nach dem Schulabschluss in die libysche Militärhochschule aufgenommen und vertiefte seine Kenntnisse an der Militärhochschule in Bounington-Heath (England). Anderen Angaben zufolge studierte Gaddafi Geschichte an der Libyschen Universität in Tripolitanien und erhielt 1963 das Bachelor-Diplom.

    Noch als Student gründete Gaddafi den „Bund freier Offiziere“ – auch durch den Einfluss von Gamal Abdel Nasser.

    Am 1. September 1969 brachte eine von Gaddafi angeführte Gruppe von Aufständischen den königlichen Palast, die Regierungsgebäude sowie den Rundfunk und das Fernsehen in ihre Gewalt. Nach dem Sturz von König Idris wurde die libysche Republik ausgerufen. Gaddafi übernahm den Posten des Vorsitzenden des Revolutionären Kommandorats und des Obersten Befehlshabers. Seit dieser Zeit regierte er faktisch das Land: von 1970 bis 1972  als Premierminister und Verteidigungsminister Libyens, von 1977 bis 1979 als Generalsekretär des Allgemeinen Volkskongresses.

    Nach der Revolution wurde Gaddafi zum Obersten erklärt und behielt diesen Dienstgrad auch nach seiner Ernennung zum Generalmajor im Januar 1976 bei.

    Gaddafi errichtete in Libyen ein Regime, dessen Grundlage Volkskomitees und Volksversammlungen bildeten, und rief im März 1977 eine „Volksrepublik“ aus. Als Präsident der Volksrepublik verbot Gaddafi alle politischen Organisationen außer der eigenen „Arabischen Sozialistischen Union“.

    1979 trat Gaddafi vom Präsidentenposten zurück und äußerte den Wunsch, bei der „Fortsetzung der Revolution“ mitzuwirken. Dabei blieb er jedoch die wichtigste politische Figur des Landes.

    Gaddafi unterbreitete die Idee der „Trennung der Revolution von der Macht“. Er hat die revolutionäre Führung der Sozialistischen Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija gebildet, die sich auf die revolutionären und Volkskomitees stützte. Sie nahm zwar formell an der Führung des Landes nicht teil, spielte aber in der Tat eine große Rolle im libyschen politischen System.

    Gaddafi bekleidete zwar keine staatlichen Ämter, blieb jedoch De-facto-Staatsoberhaupt des Landes. Die Libyer nannten ihn „der Bruder Revolutionsführer“ und „der Bruder Oberst“.

    In den 1970er Jahren entwickelte Gaddafi die sogenannte „Dritte Welttheorie“, die Gaddafi in seinem berühmten „Grünen Buch“ formulierte. Gaddafi zufolge musste die dritte Welttheorie die vorherigen zwei Welttheorien ablösen – Kapitalismus von Adam Smith und Kommunismus von Karl Marx.

    Neben dem „Grünen Buch“, das Gaddafi als das neue Evangelium bezeichnete, hat er auch andere Werke geschrieben: „Es lebe der Staat der Dreckskerle“ (1997) und der Erzählungsband „Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde und der Selbstmord des Astronauten?“. Im Ausland wurden seine Erzählungen und Essays in einem Sammelband „Escape to Hell“ veröffentlicht.

    Die Sowjetunion hatte seinerzeit einen wesentlichen Einfluss auf die Ideologie Gaddafis ausgeübt. Gaddafi besuchte die UdSSR dreimal (1976, 1981, 1985) und traf mit den sowjetischen Staatsoberhäuptern Leonid Breschnew und Michail Gorbatschow zusammen.

    Im April 2008 war Wladimir Putin im Rahmen seiner letzten Auslandsreise als Präsident in Libyen zu Besuch. Im Oktober/November 2008 kam Gaddafi nach Moskau. Während seines Moskau-Besuchs wohnte Gaddafi in einem Beduinen-Zelt in einem Park direkt am Kreml. In seinem Beduinenzelt empfang Gaddafi den Premier Putin und die französische Sängerin Mireille Mathieu, die damals auf Gastspielreise in Moskau war

    Gaddafi war ein Moslem. Gleich nach der Machtübernahme hat er den Kalender reformiert – die Bezeichnungen der Monate und die islamische Zeitrechnung geändert: Seine Zeitrechnung beginnt mit dem Tod des Propheten Mohammed.

    Gaddafis Privatleben war einfach und anspruchslos. Er lebte einige Zeit sogar vegetarisch. Kaffee, Tee, alkoholische Getränke und Zigaretten waren für ihn Tabu.

    Seine Residenz befand sich in der Garnison Bab al-Aziziya bei Tripolis. In der Nähe wurde ein Beduinenzelt aufgeschlagen.

    Der Oberst überlebte einige Anschläge. Bei einem Anschlag erlitt er Verletzungen am Arm.

    Gaddafi war zweimal verheiratet. In erster Ehe war er mit einer Tochter von General Halid, dem stellvertretenden Generalstabschef der königlichen Armee und Vertrauten von König Idris, verheiratet. Nach dem Umsturz wurde die Ehe geschieden. Aus dieser Ehe entstammen zwei Söhne, die Gaddafi bei sich behielt. Zwei Monate nach der Scheidung heiratete Gaddafi die Krankenschwester Safaja und hatte mit ihr sieben weitere leibliche Kinder, sechs Söhne und eine Tochter. Eine Adoptivtochter ist bei einem US-Luftangriff auf Tripolis im April 1986 ums Leben gekommen.

    Mitte Februar dieses Jahres begannen in Libyen Massenproteste. Die Protestanten forderten den Rücktritt Gaddafis, der das Land mehr als 40 Jahre lang regiert hatte. Die Unruhen verwandelten sich in eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Regierungskräften und den Oppositionellen.

    Die Regimegegner haben innerhalb von knapp neun Monaten fast das gesamte Territorium Libyens unter ihre Kontrolle gebracht.

    Ein Teil der Familie Gaddafi floh nach Algerien. In der Nacht zum 1. Mai wurde der jüngste Sohn, der 29-jährige Saif al-Arab al-Gaddafi, zusammen mit den drei Enkeln Gaddafis bei einem Luftangriff der Nato getötet. Sein Sohn Khamis kam bei den bewaffneten Zusammenstößen ums Leben.

    Am 20. Oktober hat der Nationale Übergangsrat den Tod des gestürzten Diktators gemeldet. Beim Sturmangriff auf Sirte erlitt er Verletzungen an Beinen und Kopf und wurde gefangengenommen.

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