03:46 21 November 2017
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    Weißrussland bald bankrott? "Nesawissimaja Gaseta"

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    Wirtschaftskrise in Weißrussland (101)
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    Weißrussland hat einen einheitlichen Wechselkurs der Nationalwährung Rubel eingeführt, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Weißrussland hat einen einheitlichen Wechselkurs der Nationalwährung Rubel eingeführt, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Bei der gestrigen Handelssession wurden US-Dollar auf 8680 Rubel, der Euro auf 11 990 Rubel und der russische Rubel auf 277 weißrussische Rubel geschätzt. Im Vergleich zum offiziellen Wechselkurs der Nationalbank, der bis zuletzt galt, wurde der weißrussische Rubel um mehr als 50 Prozent abgewertet.

    Seit dem Jahresanfang verlor die weißrussische Währung etwa 290 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Mit Blick auf die hundertprozentige Inflation erkennt man die Nichtigkeit der Beteuerungen der weißrussischen Führung, die Wirtschaftslage im Land wäre normal.

    Selbst die relativ optimistischen Prognosen unabhängiger Experten, der Rubel-Wechselkurs würde in den ersten Tagen nach der Reform steigen, sind nicht in Erfüllung gegangen. Ihr Optimismus basierte auf dem vertagten Angebot der Exporteure, für die der Devisenverkauf am letzten Tag vor der Reform ungünstig wäre – der Unterschied zwischen dem Marktkurs und dem Nationalbankkurs würde als Gewinn der Unternehmer gelten und müsste besteuert werden. Aber auch das konnte den Wechselkurs des Rubels nicht erhöhen.

    Ohne zu zweifeln kann man nur dem Leiter des Analyse-Zentrums Strategija, Leonid Saiko, recht geben, der permanent auf die Inkompetenz der für die Wirtschaftspolitik zuständigen Beamten verweist. Auffallend ist übrigens die Meinung Stanislaw Bogdanewitschs, des Nationalbankchefs in den frühen 1990er Jahren, dass die Spaltung der Wechselkurse ein Fehler war. „Man hätte nicht zwei Wechselkurse einführen sollen – denn dadurch entstanden viele Betrugsmöglichkeiten. Man hätte schon längst einen einheitlichen Kurs einführen können – das wäre ein Signal für die Geschäftskreise und das Volk, dass die Regierung imstande ist, auf dem Devisenmarkt effektiv zu handeln“, betonte er.

    „Das war ein sinnloser Schritt“, stimmte der Ex-Premier Michail Tschigir zu. Das habe dem Image Weißrusslands unter Kreditgebern und Investoren geschadet und großes Misstrauen seitens der einheimischen Geschäftskreise und der eigenen Bevölkerung provoziert.

    Trotz der Wiedervereinigung der Wechselkurse wird sich die Situation für die Weißrussen weiter verschärfen. Experten schätzen die mögliche Preiserhöhung für Energieträger und Arzneimittel auf 50 Prozent, weil Dollar und Euro für ihren Ankauf nach dem offiziellen Kurs der Nationalbank berechnet wurden.

    „Damit der Dollarkurs zum weißrussischen Rubel schrumpft, bräuchte man ein großes Exportpotenzial, das den Import übersteigen würde“, stellte Michail Tschigir fest. „Da aber der Export geringer ist, braucht man auf einen Verfall des Dollarkurses nicht zu hoffen.“

    Weißrussland hatte in diesem Jahr seinen Export etwas gesteigert, allerdings auf Kosten des Binnenmarktes, auf dem es jetzt an Waren für einheimische Verbraucher mangelt.

    Experten sind sich einig, dass man in Minsk die Wiedervereinigung der Wechselkurse akzeptiert und damit eine Schwächung des weißrussischen Rubels unter Druck des IWF eingeräumt hat, um große Kredite zu beantragen. Möglicherweise werden die Behörden auch anderen Hinweisen des Währungsfonds folgen. Unter anderem könnten zusätzliche Mittel durch eine Privatisierung der Staatsunternehmen, durch eine geringere Finanzierung von Staatsprogrammen und durch Strukturreformen fließen.

    Andernfalls wird der Rubelkurs weiterhin abgewertet werden, die Preise werden steigen, und infolgedessen sinkt auch das Lebensniveau in Weißrussland. „Weißrussland bewegt sich in Richtung Staatsbankrott“, stellte Anders Aslund vom Institut für Weltwirtschaft fest.

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