21:37 23 November 2017
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    Wie Gaddafi doch nicht zum Helden wurde - „Rossiiskaja Gaseta“

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    Libyen: Rebellen erklären Gaddafi für tot (91)
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    Er wollte, dass die Welt ihn als unerbittlichen Kämpfer gegen die Vorherrschaft des Westens in Erinnerung behält. Nach dem Tod von Muammar al-Gaddafi, an dem kaum noch jemand zweifelt, scheint daraus aber nichts geworden zu sein, schreibt am Freitag die russische Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“.

    Er wollte, dass die Welt ihn als unerbittlichen Kämpfer gegen die Vorherrschaft des Westens in Erinnerung behält. Nach dem Tod von Muammar al-Gaddafi, an dem kaum noch jemand zweifelt, scheint daraus aber nichts geworden zu sein, schreibt am Freitag die russische Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“.

    „Gaddafi ist durch die Hände der Libyer getötet worden. Ich kann das bestätigen“, sagte der Militärkommandant des libyschen Übergangsrates Abdel Hakim Belhadsch sichtlich emotional ergriffen. Der TV-Sender Al Dschasira strahlte ein in Misratah aufgenommenes Video aus, auf dem die Leiche eines Mannes zu sehen ist, der dem Oberst zumindest ähnelt. Zuvor war ein Foto aufgetaucht, auf dem laut dem Fotografen - einem der Aufständischen - der tödlich verwundete ehemalige Anführer der Dschamahirija zu sehen ist, der gerade zu einem Auto gezerrt wird.

    In der Beschreibung der näheren Umstände von Gaddafis Tod sind die Details wichtig, über die Angehörige des libyschen Übergangsnationalrats bereitwillig den Journalisten Auskunft geben.  Ebenjene Details bestimmen die Reaktion der aufgebrachten „Arabischen Straße“ auf die Todesmeldung: In den Augen der Volksmassen kann Gaddafi entweder Märtyrer werden oder aber nur ein weiteres gestürztes Staatsoberhaupt, das Verbrechen begangen hat und sich der Gerechtigkeit nicht entziehen konnte.
    Die Kampagne gegen die Verherrlichung von Gaddafi läuft auf Hochtouren. Wie die neuen libyschen Machthaber betonen, machte sich der Oberst, nachdem seine Gegner Sirte eingenommen hatten, ganz banal auf die Suche nach einem Versteck. Begleitet von einem ganzen Wagenkonvoi brach der ehemalige Staatschef in Richtung Misuratah auf, was selbstverständlich nicht unbemerkt bleiben konnte. Der zweite Punkt, auf den das offizielle Tripolis die Aufmerksamkeit der Medien richten will: Die Soldaten des Übergangsrates hätten Gaddafi - genau wie damals die Amerikaner den ehemaligen Diktator des Irak, Saddam Hussein, der später wegen seiner Verbrechen gegen das eigene Volk zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde - in einer Grube versteckt gefunden, wo er um Gnade bettelte. Das Gruben-Versteck und der gestürzte Anführer sind dabei die Details, die die Libyer von einer Sache überzeugen sollen: Gaddafi hatte sich freiwillig ergeben. Und das dritte wichtige Detail, das die Vertreter des Übergangsrates beweisen wollen: Niemand hat Gaddafi absichtlich getötet. Er habe vielmehr im Kreuzfeuer Beinverletzungen erhalten bzw. laut anderen Angaben einen Kopfschuss und starb im Rettungswagen auf dem Weg nach Misratah. Im Krankenhaus wurde auch offiziell der Tod des libyschen Revolutionsführers bestätigt. Der angebliche „Kontrollschuss“, der die Ära Gaddafi endgültig beendete, ist eher dem Niveau der Gerüchteküche zuzuschreiben, so die „Rossijskaja Gaseta“.

    Buchstäblich nur wenige Stunden nach den ersten Todesmeldungen in den Medien wurde die Rolle der Nato zur Ausschaltung des Obersten auf ein Minimum heruntergeschraubt. Die Nato-Luftkräfte haben einen Schlag gegen zwei Militärtransporter Gaddafis geführt, die sich in einer Kolonne in der Gegend von Sirte bewegten, teilte die Allianz mit. Darüber, ob sich in diesen Militärtransportern der ehemalige libysche Staatschef befunden hatte, wurde kein Wort verloren. Diese sehr gefällige Darstellung der Ereignisse kommt den Interessen des Übergangsnationalrates entgegen, der sich nur allzu gerne als alleinig Verantwortlichen für die Tötung von Gaddafi darstellen will.

    Auf jeden Fall spricht der Umstand, dass Gaddafi weder aufrecht stehend noch mit der Waffe in der Hand gestorben ist, in den Augen vieler nicht für die Rolle eines Helden…

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