17:52 23 November 2017
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    Gaddafi-Ära zu Ende: Libyen will die Scharia - “Kommersant”

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    Libyen: Rebellen erklären Gaddafi für tot (91)
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    Die neuen libyschen Machthaber haben das Ende der Gaddafi-Ära offiziell ausgerufen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Die libysche Führung hat bereits einen Zeitplan für politische Reformen veröffentlicht. Wie Mahmud Dschibril, Chef des libyschen Exekutivrates des Nationalen Übergangsrats, verkündete, wird er sein Amt niederlegen. Im Laufe von einem Monat soll eine Interimsregierung gebildet werden, die das Land bis zu den ersten Parlamentswahlen führen wird. Das künftige Parlament soll zwei Aufgaben erfüllen – einen Verfassungsentwurf ausarbeiten und eine weitere Interimsregierung ins Leben rufen, die bis zu Präsidentschaftswahlen die Geschicke des Landes leiten wird.

    Doch unabhängig davon, welche politischen Kräfte in Libyen an die Macht kommen, ist eine prinzipielle Frage über Libyens Zukunft bereits gelöst worden. Laut dem Chef des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil, wird im neuen Libyen das islamische Recht Scharia die Grundlage aller Gesetze sein. Die Gesetze, die im Widerspruch zum Islam stünden, würden annulliert. Als erster Schritt sollte die Polygamie erlaubt werden. So wird die säkulare Ordnung mit einem Male abgeschafft.

    Bislang ist unklar, welches Scharia-Modell in Libyen eingeführt wird. „Die Libyer werden sich anscheinend an Saudi Arabien oder Katar orientieren, die hinter Gaddafis Sturz stecken. Es ist  naiv zu glauben, dass in Libyen ein gemäßigter Islam zu erwarten wäre. Ein Islamisches Emirat wurde bereits in Derna ausgerufen – dort werden die sufischen Moscheen, die Grabstätten der Heiligen und Scheiche zerstört. Tief im Land wütet Al Qaida im Maghreb. Das sind die ersten Erscheinungsformen der Scharia auf libysche Art. Es kommt noch besser“, sagte Jewgeni Satanowski, Präsident des Instituts des Nahen Ostens. Laut Satanowski steht ein echter  Bürgerkrieg noch bevor. „Es handelt sich nicht um den Widerstand seitens der Gaddafi-Anhänger, sondern um ein Massaker zwischen den Stämmen, Blutrache, eine mögliche Spaltung, Afghanisierung und Somalisierung des Landes“, sagte Satanowski.

     „In Libyen gibt es fast 200 arabische Stämme, rund 100 Berber-Stämme, im Landesinneren – Tuareg-Stämme. Dschibril tritt nicht zufällig zurück. Er versteht wohl, dass es zu einem Massaker kommt. Die Kriegsfürsten werden auf den Plan treten. Die Einflussreichsten davon sind die Vertreter der Al Qaida wie Abdul Hakim Belhadj . Die Teilung des Ölkuchens kann Jahrzehnte dauern“, sagte der Experte.

    Wie Alexej Malaschenko vom Moskauer Carnegie-Center betonte, kann die Islamisierung von Libyen Folgen für die gesamte Region haben. „Unabhängig vom Verhältnis zu Gaddafi ist der Fakt, dass er die islamischen Radikalen zurückgehalten hat. Jetzt werde in der Mittelmeer-Region ein islamischer Staat entstehen, der auch Einfluss auf die Nachbarn haben kann“, betonte Malaschenko.

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