01:02 25 November 2017
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    Medwedew um internationales Image Russlands besorgt – "Moskowskije Nowosti"

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    Der russische Präsident Dmitri Medwedew macht sich Sorgen um das internationale Image seines Landes, schreibt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Dienstag.

    Zur Verbesserung des Ansehens schlug der Staatschef kürzlich ein Programm vor, dass Reisen zum Kennenlernen Russlands für junge ausländische Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer usw. vorsieht. Experten begrüßen im Prinzip diese Initiative, bezweifeln jedoch, dass diese Schritte wirklich effektiv sein werden.

    Im laufenden Jahr werden sich an diesem Programm Vertreter der GUS-Länder und der USA beteiligen. 2012 schließen sich „Vertreter anderer Staaten“ an. Im Programm ist „eine Vertiefung von gesellschaftlichen, geschäftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und anderen Staaten vorgesehen, damit die Ereignisse im Land objektiv wahrgenommen werden“. Das alles sollte ausländische Fachkräfte nach Russland locken und die Umsetzung von internationalen Projekten unter Beteiligung Moskaus anspornen.

    Bis zum Jahresende sollen an diesem Programm 200 ausländische Gäste teilnehmen. 2014 soll ihre Zahl auf 1000 ansteigen.

    Die von Präsident Medwedew vorgeschlagene Konzeption ist nicht das erste Projekt zur Verbesserung des internationalen Ansehens Russlands. So wurde 2004 der Diskussionsklub „Waldaj“ aus der Taufe gehoben, der die gleichen Ziele verfolgt. Er wurde allerdings auf Initiative Wladimir Putins gegründet. Experten erwarten, dass die Positionen des „Waldaj-Klubs“ nach seiner Rückkehr in den Kreml im Frühjahr 2012 weiter gestärkt werden.

    Medwedews Idee könnte zu einer „sehr effektiven Maßnahme“ werden, findet der deutsche Politologe und Russland-Kenner Alexander Rahr. Ihm zufolge sollten junge Ausländer, darunter die Deutschen, Russland besuchen, ihre Altersgenossen kennen lernen und ihre eigene Vorstellung von Russland bekommen, die frei von Stereotypen wäre. Als Beispiel führte der Experte die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in der Nachkriegszeit an: Noch 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele Franzosen die Deutschen immer noch als Feinde betrachtet. Nur dank aktiven Austauschprogrammen sei diese Situation verbessert worden, betonte Rahr.

    Weniger optimistisch ist Arkadi Mosches vom Finnischen Institut für internationale Beziehungen. „An dieser Idee gibt es nichts Schlechtes – es wäre gut, wenn mehr junge Ausländer nach Russland kommen würden. Das ist kein russisches Know-how – auch die Amerikaner hatten früher viele ausländische Gäste eingeladen“, stellte er fest.

    „Eine andere Sache ist allerdings, dass dieser Schritt allein nicht genügt, um Russlands Image zu verbessern“, warnte der Experte. Die jungen Fachkräfte, die nach Russland kommen und das sehen, was zuvor extra für sie hergerichtet und aufgeputzt wurde, können nicht den aktuellen Informationstrend ändern, der derzeit im Westen vorherrsche, unterstrich er. „Die westlichen Medien werden gegenüber ihren Erzählungen misstrauisch bleiben, denn sie wissen, dass ihre Reise von der russischen Regierung bezahlt wurde. Viel besser wäre es für Russlands Image, wenn die jungen Politiker und Wissenschaftler nach Russland zurückkehren und dort arbeiten wollen“, fügte Mosches hinzu.