06:37 22 November 2017
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    Libyen und Syrien: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg – "Moskowski Komsomolez"

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    Die Nato zieht endlich ihre Kräfte aus Libyen ab, schreibt die Zeitung "Moskowski Komsomolez" am Montag.

    Die Nato zieht endlich ihre Kräfte aus Libyen ab, schreibt die Zeitung "Moskowski Komsomolez" am Montag.

    Die Ziele des Libyen-Einsatzes sind erreicht worden: Der von der Opposition gebildete Nationalrat kontrolliert die Situation im Land, Diktator Gaddafi wurde entmachtet und liquidiert. Deshalb hat der UN-Sicherheitsrat Ende der vergangenen Woche das im März verhängte Flugverbot über Libyen aufgehoben. Für die Nato-Kampfjets  galt das Verbot nicht  – sie flogen in dieser Zeit nahezu 30 000 Einsätze.

    Fraglich ist allerdings, dass in Libyen ab sofort Frieden geschweige denn Demokratie herrscht. Andernfalls hätten die neuen Machthaber wohl nicht die Allianz gebeten, bis Jahresende zu bleiben. Nicht zu übersehen ist auch, dass Kampfjets der Luftwaffe Katars nach wie vor in Libyen stationiert sind. Katars Generalstabschef sagte dazu, diese Hilfe sei „weiterhin nötig“. Der einzige Unterschied besteht darin, dass nicht mehr die Nato, sondern jemand anderes (Katar) die erste Geige spielt.

    Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad forderte die Libyer dazu auf, „einen neuen langen Krieg gegen den Imperialismus zu beginnen.“ Unklar ist allerdings, ob er dabei Gaddafis Anhänger oder Gegner meinte.

    Die meisten Experten sind sich einig, dass Libyen ein neuer Machtkampf bevorsteht. Solange Gaddafi am Leben war, hatten die zahlreichen Gruppierungen im Nationalrat ein gemeinsames Ziel. Nach dem Tod des Diktators hat das Ringen um die Macht begonnen. Ob sich die früheren Verbündeten sich friedlich einigen können, ist fraglich.

    Während der Himmel über Libyen wieder frei ist, verlangen die syrischen Oppositionellen eine ähnliche UN-Resolution für ihr Land. In Syrien wird weiter Blut vergossen. Allein in den letzten Tagen wurden viele Protestierende in Hama und Homs getötet. Die Rebellen behaupten, dass Panzer gegen sie eingesetzt worden seien.

    Aber auch in Damaskus schweigt man nicht: Präsident Baschar al-Assad sagte kürzlich in einem Interview für den „Sunday Telegraph“, in Syrien gehe es derzeit um „eine Konfrontation zwischen dem Islamismus und dem säkularen Panarabismus“: „Wir kämpfen seit den 1950er Jahren gegen die Muslimbrüder und setzen unseren Kampf weiter fort.“ Der Staatschef räumte „zahlreiche Fehler“ in der Anfangsphase der Massenunruhen ein, beteuerte jedoch, dass jetzt „nur Terroristen“ die „Zielscheibe“ seien. Zugleich erinnerte Assad, dass er Reformen wenige Tage nach dem Beginn der Proteste versprochen habe.

    Um seine Argumente zu untermauern, warnte der Präsident, dass weitere Spannungen in Syrien für den gesamten Nahen Osten Folgen haben könnten: „Syrien liegt in der Mitte der Region. Hier verläuft eine Bruchlinie. Wenn man sie stört, kann dies zu einem großen Erdbeben führen. Will jemand etwa ein neuen Afghanistan-Krieg oder womöglich Dutzende Afghanistan-Kriege?“

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