19:37 24 November 2017
SNA Radio
    Politik

    USA umwerben Schanghai-Organisation – "Nesawissimaja Gaseta"

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 0 0 0

    Die USA verstärken in letzter Zeit ihre Aktivitäten in Zentralasien, stellt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag fest.

    Am 22. September hat der US-Kongress die seit 2004 geltenden Sanktionen gegen Usbekistan aufgehoben. Im Oktober absolvierte die US-Außenministerin Hillary Clinton eine große Zentralasien-Reise, bei der sie Pakistan, Afghanistan, Tadschikistan und Usbekistan besuchte. Im Mittelpunkt ihrer Verhandlungen standen Aktivitäten zur Stabilisierung in Afghanistan und die Zukunft Zentralasiens nach dem für 2014 geplanten Abzug der Nato-Truppen vom Hindukusch. Besonders viel Aufmerksamkeit zogen Clintons Verhandlungen mit dem usbekischen Präsidenten Islam Karimow am 22. und 23. Oktober auf sich.

    Nicht zu übersehen ist auch Washingtons Interesse an einer Kooperation mit der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ). Laut Medienberichten könnte das Weiße Haus demnächst Verhandlungen über ein mögliches Kooperationsformat beginnen. Infrage käme die Anerkennung der USA als Beobachter oder als Dialogpartner der SOZ.

    Es ist nicht das erste Mal, dass die Shanghaier Organisation Kooperationsangebote aus Washington bekommt. Bereits 2002 hatte sich Obamas Vorgänger George W. Bush nach den SOZ-Beitrittsperspektiven erkundigt. Damals wäre die Organisation deswegen beinahe in eine Krise geschlittert, denn Usbekistan war dafür, während China sich vehement dagegen wehrte. Russland und Kasachstan bemühten sich um den Zusammenhalt des Bündnisses, wollten sich aber auch nicht mit den USA zerstreiten, die gegen die Taliban kämpften.

    Damals endeten Washingtons Annäherungsversuche erfolglos, nicht zuletzt weil sich das Weiße Haus scharfe Kritik an den zentralasiatischen Staaten leistete, unter anderem an Usbekistan für die brutale Niederschlagung eines Aufstands in der Stadt Andischan im Mai 2005. Obama scheint aber aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt zu haben. Washington ergriff in letzter Zeit mehrere Maßnahmen, um sich an den SOZ-Aktivitäten beteiligen zu können.

    Erstens will die US-Administration die politische Beschlussfassung innerhalb der SOZ beeinflussen. Als Dialogpartner wäre dies nicht möglich. Als Beobachter hätte Washington allerdings den Zugang zu vertraulichen Dokumenten.

    Zweitens unterstützen die USA den Ausbau der Partnerkontakte der SOZ. In diesem Kontext befürworten sie den jüngsten Partnerschaftsantrag der Türkei und plädieren für den Anschluss Pakistans und Indiens an die SOZ, die für Washington wichtige militärpolitische Partner sind.

    Drittens strebt das Weiße Haus eine selektive Partnerschaft mit den zentralasiatischen Staaten an. So will es eine privilegierte militärpolitische Partnerschaft mit Usbekistan wiederaufnehmen, zeigt seine Bereitschaft zu einem Dialog mit Tadschikistan und rechnet zudem mit Dankbarkeit der kirgisischen Regierung. (Während der politischen Krise im Mai 2010 trat Obama gegen die Präsenz von internationalen Truppen in Kirgistan auf.) Möglich ist auch ein Kooperationsausbau mit Kasachstan.

    Die SOZ wurde 2001 als regionale Sicherheitsorganisation und eine Art Gegengewicht für die USA im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg gebildet. Jetzt aber könnte für sie das gleiche Dilemma wie 2002 entstehen: Einerseits muss die SOZ mit den USA kooperieren, um die Sicherheit in Afghanistan und Pakistan zu festigen. Andererseits befürchten die meisten Mitglieder, dass die USA ihre Effizienz und Selbstständigkeit zunehmend verlieren. Moskau und Peking müssen für ein Kooperationsformat sorgen, bei dem Washington sie nicht aus seinem Dialog mit den zentralasiatischen Ländern ausschließen kann.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren