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    Russland legt Luft- und Weltraumabwehr zusammen – "Nesawissimaja Gaseta"

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    In Russland entsteht am 1. Dezember eine neue Waffengattung – die Luft- und Weltraumabwehr, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Russland legt Luft- und Weltraumabwehr zusammen – "Nesawissimaja Gaseta"

    MOSKAU, 25. November (RIA Novosti). In Russland entsteht am 1. Dezember eine neue Waffengattung – die Luft- und Weltraumabwehr, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Das kündigte Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow in der Sitzung des Kollegiums seiner Behörde an.

    Eigentlich handelt es sich nicht um eine Neuigkeit, denn die Zusammenlegung der beiden Militärstrukturen war bereits im Frühjahr beschlossen und angekündigt worden.

    Bekannt ist bereits, dass die Luft- und Raumabwehr unmittelbar dem Generalstabschef unterstellt sein wird und dass ihr die Weltraumtruppen und die in Russland, Weißrussland, Aserbaidschan und Kasachstan stationierten Raketenabwehr-Radare angehören werden.

    In den frühen 2000er Jahren wollte man die Luft- und Raumabwehr mit den Strategischen Raketentruppen fusionieren und eine Art strategische Abschreckungstruppen bilden. Das klappte jedoch nicht, weil zahlreiche Generäle dagegen waren, die Angst vor einer Übermacht der Strategischen Raketentruppen hatten. Der damalige Präsident Wladimir Putin wollte nicht mit ihnen streiten. Auch im jetzigen Luft- und Raumabwehrsystem wird es keine Strategischen Raketentruppen geben, die weiterhin dem Staatsoberhaupt und dem Generalstabschef unterstellt sind.

    Im Grunde wird die Luft- und Raumabwehr den einstigen sowjetischen Weltraumraketentruppen ähneln, aus objektiven Gründen jedoch nicht so schlagkräftig. Auch das Ziel der Bildung der neuen Waffengattung ist klar. Früher wurde häufig erklärt: Russland müsse vor möglichen Luft- bzw. Weltraumangriffen geschützt werden.

    Auffällig ist allerdings, dass niemand bisher gesagt hat, vor welchen Ländern Russland und seine Verbündeten mit der Luft- und Raumabwehr geschützt werden soll. Derzeit haben nur die USA und wenige andere Nato-Länder in der Lage, Angriffe aus dem Weltraum vorzunehmen. Wenn ausgerechnet diese Länder das potenzielle Ziel der neuen Waffengattung sind, dann stellt sich die Frage: Wie korreliert ihre Bildung mit der jüngsten Beteuerung Präsident Medwedews, Russland könnte unter gewissen Umständen mit den USA und der Nato im Raketenabwehr-Bereich kooperieren? Denn die zwei Systeme können offenbar nicht integriert werden. Das lässt an die Erklärungen zweifeln, dass Russland und die USA tatsächlich an gemeinsamen Schritten interessiert sind.

    Beginnt mit der Bildung der russischen Luft- und Raumabwehrtruppen eine neue Runde des Wettrüstens? Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Für die Umrüstung der russischen Streitkräfte sind bis 2020 etwa 20 Billionen Rubel vorgesehen. Finanzexperten zufolge würde die russische Wirtschaft größere Rüstungsausgaben nicht verkraften. Außerdem entsteht das neue Luft- und Raumabwehrsystem auf der Basis der bereits bestehenden Technik und Infrastruktur. Ihr Ausbau ist zwar auch im "Rüstungsprogramm 2020" vorgesehen, doch nur im geringen Ausmaß.