16:13 21 August 2017
SNA Radio
    Politik

    Irak: USA hinterlassen Scherbenhaufen der Demokratie - "Moskowskije Nowosti"

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 511

    Die USA haben ihren Irak-Einsatz offiziell beendet, schreibt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Dienstag.

    Die USA haben ihren Irak-Einsatz offiziell beendet, schreibt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Dienstag.

    Der Präsidentschaftskandidat Barack Obama hatte vor vier Jahren versprochen, die US-Truppen aus dem Land abzuziehen. Präsident Barack Obama hat sein Wort also gehalten.

    Bei ihrem Militäreinsatz im Irak haben die USA zwischen dem 20. März 2003 und dem 1. Dezember 2011 insgesamt 4886 Tote, 32 226 Verletzte und einen vermissten Soldaten zu beklagen.

    Am 1. Dezember hielten sich noch etwa 13 000 US-Soldaten im Irak auf. Jetzt werden nur noch 150 Sicherheitsmilitärs und 20 bis 25 Marineinfanteristen als Botschaftswachen in dem Land bleiben. Darüber hinaus werden bis zu 740 technische Experten und Ausbilder für die irakische Armee und Polizei tätig sein. Diese Personen werden künftig keine strafrechtliche Immunität haben.

    Iraks Sicherheitsstrukturen zählen derzeit nahezu 809 000 Personen. Der Armee gehören etwa 271 000, dem Innenministerium 531 000 und den Regierungs-Sondereinsatzkräften 4200 Personen an. Experten sind sich allerdings einig, dass sie ohne die Unterstützung der Amerikaner kaum kampffähig sind. Im kommenden Jahr wird Washington Bagdad 6,5 Millionen Dollar für die Sicherheitsförderung zuschießen.

    Außerdem halten Experten einen Bürgerkrieg nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak für durchaus wahrscheinlich. Er sollte jedoch nicht die Ölförderung betreffen, schließlich profitieren alle Konfliktseiten im Land davon. Im November wurden etwa drei Millionen Barrel täglich gefördert, von denen 2,2 Millionen in den Export gingen.

    Während des jüngsten Japan-Besuchs des irakischen Premiers Nuri al-Maliki wurde vereinbart, dass Tokio einen Kredit in Höhe von 870 Millionen Dollar für den Wiederaufbau der Infrastruktur im Irak geben wird. Die Türkei erklärte sich bereit, seine Grenzen für den Transport von irakischem Flüssiggas nach Europa zu öffnen.

    Dennoch ist die Situation im Irak alles andere als ruhig. Terror, Kriminalität, Kidnapping und ethnische Konflikte gehören zum Alltagsleben.

    Selbst in der stark bewachten „Grünen Zone“ Bagdads sind die Terroristen aktiv. Erst am 28. November wurde bei einem Attentatsversuch auf den Regierungschef ein vermintes Fahrzeug gesprengt.

    Auch der Krieg der kurdischen Arbeiterpartei gegen die Türkei und der Kampf der linken PJAK gegen den Iran erschweren die Situation.

    Angesichts der separatistischen Aktivitäten in Kurdistan und Basra neigt die irakische Führung dazu, enger mit der Türkei und dem Iran zu kooperieren.

    Saudi-Arabien kämpft seinerseits gegen die schiitische Regierung in Bagdad und unterstützt die sunnitischen Gruppierungen im Irak. Bagdad stellte sich deswegen bei der Abstimmung über anti-syrische Sanktionen der Arabischen Liga quer.

    Aber den früheren Irak gibt es nicht mehr. Es gibt nur ein Territorium mit rein formellen Merkmalen eines Staates. Es gibt 500 000 Tote und nahezu fünf Millionen Flüchtlinge. So war der Preis, den Bagdad für die „Stabilität und Demokratie“ in den vergangenen Jahren bezahlen musste.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren