12:37 20 November 2018
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    Vilniusser Blutsonntag: Litauer fordert, Gorbatschow Friedensnobelpreis abzuerkennen

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    Politik
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    21 Jahre nach dem „Vilniusser Blutsonntag“ hat Robertas Povilaitis, Sohn des während der Tumulte umgekommenen litauischen Freiheitsverteidigers Apolinaras Juozas Povilaitis, das Nobelpreiskomitee aufgefordert, Michail Gorbatschow, der damals Präsident der Sowjetunion war, den Friedensnobelpreis zu entziehen.

    21 Jahre nach dem „Vilniusser Blutsonntag“ hat Robertas Povilaitis, Sohn des während der Tumulte umgekommenen litauischen Freiheitsverteidigers Apolinaras Juozas Povilaitis, das Nobelpreiskomitee aufgefordert, Michail Gorbatschow, der damals Präsident der Sowjetunion war, den Friedensnobelpreis zu entziehen.

    Selbst wenn Gorbatschow keinen Schießbefehl erteilt habe, seien seine stillschweigende Zustimmung sowie die ausbleibenden Ermittlungen ein ausreichender Grund, um Gorbatschow entsprechend dem Völkerrecht zur Verantwortung zu ziehen, sagte Povilaitis am Freitag im Seimas (litauisches Parlament) anlässlich des Tages der Freiheitsverteidiger. „Heute habe ich an das Nobelpreiskomitee in Norwegen eine Anfrage mit der Bitte geschickt, die Möglichkeit zu prüfen, Michail Gorbatschow den 1990 zuerkannten Friedensnobelpreis abzuerkennen.“

    Litauen hatte 1990 seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion ausgerufen. Die sowjetische Regierung erklärte die Entscheidung für verfassungswidrig. Als im Januar 1991 in Litauen Demonstrationen für die Unabhängigkeit begannen, wurden sowjetische Truppen in die baltische Republik verlegt. In der Nacht zum 13. Januar rückte eine Panzerkolonne ins Zentrum von Vilnius ein. Bei blutigen Zusammenstößen kamen 14 Menschen ums Leben, die den Fernsehturm in Vilnius verteidigten. Mehr als 600 weitere wurden verletzt. Michail Gorbatschow stritt danach ab, den Sturm auf den Fernsehturm befohlen zu haben.

    Unter den Todesopfern war ein Mitarbeiter der sowjetischen Spezialeinheit Alpha, der mit einem Schuss in den Rücken getötet worden war. Nach Angaben von Geheimdiensten gehen alle Opfer auf das Konto von Scharfschützen. Der litauische Ex-Verteidigungsminister Audrius Butkevičius gestand später ein, Scharfschützen auf Hausdächern eingesetzt zu haben, die auf Menschen geschossen hätten.

    Die litauischen Behörden nahmen hierzu keine Ermittlungen auf. Wegen Verbrechen, die angeblich durch das sowjetische Militär begangen wurden, sprach ein Gericht in Vilnius 1999 sechs Menschen schuldig. Gegen 23 weitere Verdächtige wird ermittelt.

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