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    "Deutsche und Russen – 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur" lautet der Titel einer gemeinsamen Ausstellung, die Ende Juni in Moskau eröffnet wird.

    "Deutsche und Russen – 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur" lautet der Titel einer gemeinsamen Ausstellung, die Ende Juni in Moskau eröffnet wird. Unter zahlreichen Events des gegenseitigen Kreuzjahres 2012/2013, das eigentlich für zwei Jahre, das Russlandjahr in Deutschland und das Deutschlandjahr in Russland, steht, nimmt diese einmalige und ungemein vielfältige Ausstellung einen zentralen Platz ein.

    Das Projekt, das vom russischen Kulturministerium und dem Staatlichen Historischen Museum in Moskau sowie auf deutscher Seite von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz unter Federführung des Museums für Vor- und Frühgeschichte entwickelt wurde, wird von den Regierungen beider Länder unterstützt und vom Petersburger Dialog befördert.

    Die Organisatoren dieser großen Ausstellung wollen „die historische Tiefe und die Vielfalt der Verbindungen zwischen Russen und Deutschen“ zeigen. Die runde Zahl „1000“ in der Bezeichnung der Ausstellung ist aber streng historisch genommen nicht ganz korrekt. In Wirklichkeit sind die deutsch-„Deutsche und Russen – 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur“  lautet der Titel einer gemeinsamen Ausstellung, die Ende Juni in Moskau eröffnet wird. Unter den zahlreichen Events des gegenseitigen Kreuzjahres 2012/2013, das eigentlich für zwei Jahre – das Russlandjahr in Deutschland und das Deutschlandjahr in Russland –  steht, nimmt diese einmalige und ungemein vielfältige Ausstellung einen zentralen Platz ein.

    Das Projekt, das vom russischen Kulturministerium und dem Staatlichen Historischen Museum in Moskau sowie auf deutscher Seite von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz unter Federführung des Museums für Vor- und Frühgeschichte entwickelt wurde, wird von den Regierungen beider Länder unterstützt und vom Petersburger Dialog befördert.

    Die Organisatoren dieser großen Ausstellung wollen „die historische Tiefe und die Vielfalt der Verbindungen zwischen Russen und Deutschen“ zeigen. Die runde Zahl „1000“ in der Bezeichnung der Ausstellung ist aber streng historisch genommen nicht ganz korrekt. In Wirklichkeit sind die deutsch-russischen Beziehungen viel älter als die Staaten, die wir heute  „Deutschland“ und „Russland“ nennen. Nachweisbare Handelskontakte mit der „Rus“ reichen laut historischer Forschung noch in „vormoderne Zeit“ zurück, sind also älter als 1000 Jahre. Von den Handelsverträgen zwischen Welikij Nowgorod und der Hanse spannt sich der zeitliche Bogen über das Mittelalter und die Zeit der Bündnisse und familiären Verflechtungen  im 18. und 19. Jahrhundert bis zu den Kriegskatastrophen, traumatischen Erfahrungen und dem Neubeginn im 20. Jahrhundert, der zur Verständigung und Versöhnung führte.

    Die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen ist lang und widersprüchlich. Sie birgt  zahlreiche deutsche „Spuren“  in der russischen Geschichte und nicht gerade wenig russische „Spuren“ in der deutschen Geschichte. Eine deutsche Prinzessin wurde zur bedeutendsten russischen Zarin, Katharina der Großen (1729-1796), und – zur Russin. Die Russen haben die Deutschen immer für ihr technisches Können und ihre wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen hoch geschätzt. Der erste Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaft war Laurentius Blumentrost, ein in Russland geborener Deutscher. Die russischen Maler Marianne von Werefkin  und Wassily Kandinsky waren in Deutschland Mitbegründer der Neuen Künstlervereinigung München und des Blauen Reiters. Die Deutschen sind immer wieder fasziniert von der vielbeschriebenen, aber wohl bis heute geheimnisvoll gebliebenen russischen Seele. Ihr auf den Grund zu kommen versuchen sie bis heute, wenn sie Werke der großen russischen Schriftsteller Tolstoi, Dostojewskij und Gogol lesen. Theaterstücke von Anton Tschechow werden immer wieder auf deutschen Bühnen inszeniert. Vom berühmten Theaterregisseur Peter Stein stammt der Satz: Jeder Regisseur muss alle fünf Jahre ein Tschechow-Stück inszenieren.
    Den deutschen Arzt Friedrich Haass hat man in Moskau zum „heiligen Doktor von Moskau“ gekürt. Insbesondere betreute er dort über 25 Jahre lang Strafgefangene seelsorgerisch, sozial und medizinisch. 

    In Berlin tragen ein Platz und eine Brücke den Namen des sowjetischen Generals Nikolaj Bersarin, des ersten Stadtkommandanten im von den Nazis befreiten Berlin. Statt Rache ließ er die Gas-, Wasser- und Elektroenergieversorgung in Gang bringen und vergab Aufträge für die Versorgung der Bevölkerung. 1975 wurde ihm postum die Ehrenbürgerschaft Ost-Berlins verliehen, 1992 wurde er aus der Ehrenbürgerliste gestrichen. 2003 verlieh ihm der Berliner Senat erneut die Ehrenbürgerschaft und begründete dies mit den Verdiensten Bersarins beim Wiederaufbau Berlins.

    Das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland hat in vieler Hinsicht die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts bestimmt. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind von zwei Weltkriegen geprägt, von der Teilung Deutschlands, vom Kalten Krieg und der Spaltung in Ost und West mit zwei militärischen Machtblöcken. Schließlich waren zwei totalitäre Regime unsere tragische Gemeinsamkeit im 20. Jahrhundert.

    Viereinhalb Jahrzehnte nach seinem Untergang 1945 ist der deutsche Nationalstaat wiedererstanden. Es wäre zu wenig und eine Schmälerung der historischen Tragweite, festzustellen, dass die Sowjetunion und das neue Russland die Wiedervereinigung nur mitgetragen haben. Die langersehnte Wiedervereinigung wäre ohne den politischen Willen der Sowjetunion nicht möglich gewesen. Der frühere Sowjetpräsident Michail Gorbatschow verwies – zu Recht –  beim Festakt anlässlich des 20. Jahrestags der Wiedervereinigung darauf, dass es das Volk, „die Russen“, gewesen seien, die für die Sehnsüchte der Deutschen Verständnis aufgebracht hätten sowie den Glauben, dass sich das heutige Deutschland von Grund auf verändert habe. „Wäre diese Unterstützung nicht da gewesen, hätte die sowjetische Regierung nicht so handeln können, wie sie gehandelt hat“.

    Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wollen wir glauben, dass die Zeiten gegenseitiger Dämonisierung endlich vorbei sind. Mehr noch: Die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland entwickeln sich zu einer strategischen Partnerschaft. Die deutsche Wirtschaft ist mit über 6000 Unternehmen und Beteiligungen in Russland die größte business community. Russland ist mittlerweile der wichtigste Energielieferant Deutschlands. Beide Wirtschaften könnten im Umfeld des deutsch-russischen Kreuzjahres gegenseitig Kompetenzpotenziale für die drängenden Zukunftsfragen präsentieren, indem sie gemeinsam nach Lösungen für die Zukunft suchen und Anstrengungen bündeln. Das entspricht auch dem Motto des Kreuzjahres, „Russland und Deutschland – gemeinsam die Zukunft gestalten“.

    Es ist nicht das erste Mal, dass beide Länder ein solches mannigfaltiges und anspruchsvolles Projekt verwirklichen. Bei den 2003 und 2004 stattgefundenen Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen wurde in weit mehr als 3000 Veranstaltungen in beiden Ländern die russische Kultur in Deutschland und die deutsche Kultur in Russland umfassend vorgestellt. Das gerade zu Ende gegangene „Deutsch-Russische Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/12“ brachte die Vielfalt deutsch-russischer Bildungs- und Forschungskooperationen in beiden Ländern zum Ausdruck und war zugleich Ausgangspunkt für neue Kooperationen und Projekte. Im Kreuzjahr 2012/2013 werde man nach den Worten des Sonderbeauftragten des Präsidenten Russlands für die internationale kulturelle Zusammenarbeit, Michail Schwydkoj, nahezu alle Bereiche unserer Beziehungen erfassen. „Was uns ab Sommer 2012 bevorsteht, muss alle unsere möglichen Erwartungen übertreffen.“ Neben den Deutsch-Russischen Festtagen Anfang Juni in Berlin als Auftaktveranstaltung stehen beispielsweise eine brillante Ausstellung aus den Museen des Moskauer Kremls „Die Kreuzung von Weltkulturen. Der Zarenhof: von Iwan dem Schrecklichen bis Peter dem Großen“ in Dresden, die erweiterte Beteiligung Russlands an der Industriemesse in Hannover, das Festival der russischen Sprache und Literaturgeschichte, die Woche der russischen Filmkunst, ein internationales Kinderforum und ein Studentenforum, das Konzert eines russisch-deutschen Jugend-Sinfonieorchesters und vieles andere mehr auf dem Programm.

    *Dmitri Tultschinski, Leiter des Deutschland-Büros, Russische Nachrichtenagentur RIA Novosti
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