15:36 22 Februar 2018
SNA Radio
    Flugabwehr-Raketensysteme des Typs S-300

    Ändert Moskau seine Haltung zu Teheran wegen S-300-Streit?

    © Sputnik/ Uriy Shipilow
    Politik
    Zum Kurzlink
    Atomstreit mit Iran (1447)
    0 0 0

    Russland wird seine Haltung zum iranischen Atomprogramm wohl kaum ändern, selbst wenn Teheran seine Klage gegen Moskau wegen der nicht zustande gekommenen Lieferung von S-300-Fla-Raketensystemen nicht zurückzieht – diese Meinung dominiert bei Experten, die am Freitag von RIA Novosti zu diesem Thema befragt wurden.

    Russland wird seine Haltung zum iranischen Atomprogramm wohl kaum ändern, selbst wenn Teheran seine Klage gegen Moskau wegen der nicht zustande gekommenen Lieferung von S-300-Fla-Raketensystemen nicht zurückzieht – diese Meinung dominiert bei Experten, die am Freitag von RIA Novosti zu diesem Thema befragt wurden.

    Die Tageszeitung „Kommersant“ hatte am Freitag unter Berufung auf Vertreter der russischen Regierung mitgeteilt, Moskau könnte seine Unterstützung für den Iran bei den Verhandlungen über das Atomproblem verweigern, wenn Teheran seine Klage gegen Moskau nicht zurückziehe.

    Der Iran verklagt das russische Waffenexportunternehmen Rosoboronexport beim Internationalen Schiedsgericht wegen der Annullierung des Vertrags über die Lieferung von S-300-Systemen auf vier Milliarden Dollar. 

    Nach Ansicht von Alexander Schumilin, Direktor des Zentrums für Analyse von Nahost-Konflikten des USA- und Kanada-Instituts der russischen Wissenschaftsakademie, ist eine Änderung der Position Moskaus wenig wahrscheinlich. „Dies ist allerdings ein günstiger Anlass, um sich vom aufdringlichen Image eines Gönners des iranischen Atomprogramms zu befreien.“

    Nun könne Moskau „eine äußerst vorteilhafte Position beziehen und den Anschein eines neutralen Vermittlers zwischen dem Westen, der Sechsergruppe und dem Iran erwecken“.

    Auch Sergej Demidenko, Experte des Instituts für strategische Schätzungen und Analysen, zweifelt daran, dass Russland wirklich eine Revision seiner Haltung zum Iran vorhat. „Zehn Jahre lang haben wir erklärt, dass wir keine Sanktionen unterstützen, wenn keine greifbaren Beweise für die militärische Komponente des iranischen Atomprogramms gefunden werden. Und plötzlich sollen wir das von heute auf morgen revidieren? So wird keine Politik gemacht.“

    Eine Abkehr von der Unterstützung des Irans würde für Russland ernsthafte Image- und wirtschaftliche Verluste bedeuten. In Bezug auf die S-300-Systeme würden sich Moskau und Teheran außergerichtlich einigen können, so Demidenko.

    „Für uns ist die Arbeit am AKW Bushehr und die Perspektive, zu den iranischen Gasprojekten zugelassen zu werden, viel wichtiger“, fügte er hinzu. 

    Moskaus Befürchtung bestand darin, das die S-300-Systeme, sollte der Iran diese bekommen, Mahmud Ahmadinedschad den Weg zur Entwicklung einer Atombombe ebnen würde, und es weigerte sich deshalb, diese an Teheran zu liefern, was „ein absolut richtiger und rechtzeitiger Schritt war“, betonte Georgi Mirski, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen. Auf diese Weise habe Russland geholfen, einen bewaffneten Konflikt zwischen Israel und dem Iran zu verhindern. Nach seiner Schätzung würde der Iran ungefähr in zwei bis drei Jahren eigene Kernwaffen entwickeln können.

    „S-300 ist gerade der Typ von Raketen, der die Möglichkeit bieten würde, israelische Flugzeuge im Falle eines Überfalls auf den Iran abzuschießen. Mit den russischen Raketen hätte der Iran eine Art „Schirm“ über seinem Territorium geschaffen und sich straffrei gefühlt. In dem Fall hätte Israel den Beschluss gefasst, einen Schlag gegen den Iran zu führen, noch bevor dort russische Raketen stationiert sind. Mit anderen Worten, wir hätten heute schon einen Krieg dort.“

    Mirski vertritt den Standpunkt, dass es in Teheran noch keinen endgültigen Beschluss gibt, Kernwaffen herzustellen. Für Teheran sei es heute einfach günstig, die internationale Völkergemeinschaft in Schach zu halten und allen zu zeigen, dass Teheran notfalls alle Möglichkeiten hat, eine solche Bombe herzustellen.

    Der Vertrag über die Lieferung von S-300-Systemen war Ende 2007 unterzeichnet worden. Der Wert des Vertrags belief sich auf rund 800 Millionen Dollar. Der von Präsident Dmitri Medwedew unterzeichnete Erlass über Maßnahmen zur Ausführung der 4. Resolution des Uno-Sicherheitsrates vom 9. Juni 2010 über Sanktionen gegen den Iran verunmöglichte jedoch die Lieferungen von S-300 und anderen Waffensystemen an Teheran.

    Themen:
    Atomstreit mit Iran (1447)
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren