07:58 26 April 2017
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    Inselstreit: Japan ruft Botschafter aus Südkorea zurück - „Nesawissimaja Gaseta“

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    Kleine Inseln und Atolle sind immer wieder Schauplatz heftiger Gebietsstreitigkeiten in Asien, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Kleine Inseln und Atolle sind immer wieder Schauplatz heftiger Gebietsstreitigkeiten in Asien, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Tokio will den Streit mit Südkorea um eine abgelegene Inselgruppe im Japanischen Meer vor einen Internationalen Gerichtshof bringen. Zuvor hatte Japan seinen Botschafter aus Seoul zurückgerufen, nachdem Südkoreas Präsident Lee Myung Bak am Freitag erstmals die umstrittene Felseninsel Dokdo (in japanischer Transkription Takeshima) besucht hatte. Auf der Insel ist eine südkoreanische Garnison stationiert. Japan macht jedoch Besitzansprüche geltend.

    Japanischen Experten zufolge kann dieser Besuch schwere Folgen nach sich ziehen. Einige von ihnen sind der Ansicht, dass Südkoreas Präsident sich Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew zum Vorbild genommen habe, der vor kurzem die von Japan beanspruchten Südkurilen-Inseln besucht hatte.

    „Der 10. August wird in die Geschichte der japanisch-südkoreanischen Beziehungen als der Tag eingehen, an dem die Samen der künftigen Katastrophe gesät wurden“, schrieb der japanische Journalist Kosuke Takahashi in der englischsprachigen Onlinezeitung „Asia Times“. Die sich in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin verschlechternden Beziehungen zwischen den beiden Ländern steuern auf ihren Tiefpunkt zu. Der Insel-Besuch des südkoreanischen Staatschefs werde sich  negativ auf die von den USA angestrebte Einheitsfront gegen die militärische Expansion Chinas auf hoher See und Nordkoreas Atompläne auswirken, sagte der Experte.

    Lee Myung Bak hatte die Inselgruppe kurz vor dem 15. August besucht. An diesem Tag feiert Südkorea jedes Jahr die Befreiung von der japanischen Herrschaft.

    Einigen japanischen Experten zufolge reiste der südkoreanische Präsident auf die Inseln, um von einem Korruptionsskandal abzulenken, in dem sein älterer Bruder verwickelt ist.

    Doch nicht nur die Spannungen zwischen Japan und Südkorea belasten die Situation im asiatisch-pazifischen Raum. Wie die „Washington Post“ schreibt, sind fast ein Dutzend Länder in den Gebietsstreitigkeiten in dieser Region verwickelt. Eine Eskalation der Spannungen könnte zu bewaffneten Konflikten führen.

    In den umstrittenen Gebieten werden Öl- und Gasvorkommen vermutet. Japan sucht nach Alternativen zu seinen Atomkraftwerken. China, auf das 20 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs entfällt, verstärkt seine militärische Präsenz auf hoher See.

    Laut dem russischen Fernost-Kenner Viktor Pawljatenko wird Japan vor dem Gericht in Den Haag scheitern. Die Klage werde nur dann behandelt, wenn Südkorea zustimme, was sehr unwahrscheinlich sei, sagte der Experte.