15:02 17 Februar 2019
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    „Nowye Iswestija”: Keine Freiheit für Pussy Riot?

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    Gerichtsprozess gegen Pussy Riot (176)
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    Zwei in Freiheit befindliche Frauen von der Punk-Gruppe Pussy Riot, die an der Aktion in der Erlöserkathedrale teilgenommen hatten, sind diese Woche zur Fahndung ausgeschrieben worden. Pussy-Riot-Verteidiger Mark Fejgin erklärte der Zeitung „Nowye Iswestija“, dass die Identität der Gesuchten den Behörden bekannt ist und warum es zu keinem weiteren Schuldspruch kommen wird.

    Zwei in Freiheit befindliche Frauen von der Punk-Gruppe Pussy Riot, die an der Aktion in der Erlöserkathedrale teilgenommen hatten, sind diese Woche zur Fahndung ausgeschrieben worden. Pussy-Riot-Verteidiger Mark Fejgin erklärte der Zeitung „Nowye Iswestija“, dass die Identität der Gesuchten den Behörden bekannt ist und warum es zu keinem weiteren Schuldspruch kommen wird.

    „Auf dem Skandal-Video von der Performance in der Moskauer Hauptkathedrale am 21. Februar sind fünf Frauen zu sehen, die bunte Balaklawas tragen. Am 3. und 4. März bereits wurden fünf mutmaßliche Pussy-Riot-Teilnehmerinnen sowie der Hauptvertreter der Art-Gruppe ‚Vojna‘ (dt.: Krieg, Anm. RIA Novosti), Petr Wersilow,  festgenommen“, schreibt die „Novye Iswestija“. Am 12. März jedoch wurde lediglich gegen zwei Frauen, Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina, Anklage erhoben. Jekaterina Samutsewitsch wurde am 16. März bei einer Zeugenaussage auf einer Moskauer Polizeistation inhaftiert. Die restlichen Verdächtigen wurden freigelassen, und seitdem hatten die Rechtsschutzbehörden keinerlei Interesse an ihnen gezeigt, so das Blatt.

    Die Behörden „wollten die Richterbank nicht in eine Fußballtribüne verwandeln“, führte der Verteidiger von Tolokonnikowa, Aljochina und Samutsewitsch aus. Das Gericht hatte auch mit drei Frauen alle Hände voll zu tun, so Fejgin. „Mit fünf hätten sie sich noch länger herumplagen müssen.“

    „Nach den restlichen Teilnehmerinnen an der Aktion hatte vor Gericht doch jemand gefragt: Die Anwältin der Geschädigten, Larisa Pawlowa. ‚Ich nenne ihre Nicknames – Serafima und Balaklawa‘, hatte ihr Nadeschda Tolokonnikowa damals zur Antwort gegeben. Im Blog von Pussy Riot ist eine Liste der Teilnehmerinnen am ‚Punk-Gebet‘ angeführt: Garadscha, Tjurja, Schumacher, Seraphima und Cat“, schreibt die „Nowye Iswestija“ weiter.

    Der Anwalt der feministischen Punkmusikerinnen ist überzeugt: Die Ermittler haben in Wirklichkeit kein Interesse an einer Festnahme der nun Gesuchten. Die Überwachungskameras in der Kirche hatten laut Fejgin die Gesichter der Frauen gut sichtbar fixiert, bevor diese sich die Sturmmasken überzogen. Außerdem seien die Pussy-Riot-Frauen nach einem Auftritt auf dem Roten Platz am 20. Januar von den Mitarbeitern des Zentrums für die Bekämpfung des Extremismus in die Akten aufgenommen worden: „Ihre Telefone wurden abgehört. Es ist unmöglich, sich vorzustellen, dass die Ermittler nicht über ihre Bewegungen Bescheid wissen.“

    „Das plötzliche Interesse der Rechtsschutzbehörden an der Identität der restlichen Frauen interpretiert Fejgin als formale Reaktion auf den Schuldspruch und einen Versuch, rege Aktivität vorzutäuschen – im Stile ‚Wie kann denn das sein, drei sind zu zwei Jahren Strafkolonie verurteilt worden, was ist denn mit den anderen?‘“, so die Zeitung weiter. Außerdem habe der Anwalt eine weitere Erklärung: „Die Gruppe Pussy Riot macht weiter und nimmt neue Songs auf, sie selbst werden zahlenmäßig mehr. Die Fahndung ist womöglich ein neues Mittel, alle zu schnappen, die eine Balaklawa tragen, sie auf eine Teilnahme an den Vorfällen vom 21. Februar hin zu überprüfen, sie zu verhören, Druck auszuüben und sie auf diese Weise auseinanderzutreiben.“

    Für den Fall Pussy Riot ist bereits ein beträchtliches Polizeiaufgebot gestellt worden, schreibt die „Nowye Iswestija“ weiter: Am Dienstag hatte Bandmitglied Maria Aljochina via Internet mitgeteilt, dass Pussy Riot von einem ganzen Polizeikonvoi ins Gefängnis gebracht worden waren. „Derartig viele Ressourcen für drei junge Frauen zu verschwenden kann nur eines bedeuten – Angst“, so die verurteilte Pussy-Riot-Teilnehmerin.

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