05:57 19 November 2017
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    Armenien bricht Beziehungen mit Ungarn ab

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    Die Ermordung eines armenischen Offiziers in Ungarn aus dem Jahr 2004 hat jetzt eine schwere politische Krise zwischen Jerewan und Budapest ausgelöst. Weil Ungarn den aserbaidschanischen Mörder in die Heimat geschickt hat, setzt Armenien nun die diplomatischen Beziehungen mit Budapest aus.

    Die Ermordung eines armenischen Offiziers in Ungarn aus dem Jahr 2004 hat jetzt eine schwere politische Krise zwischen Jerewan und Budapest ausgelöst. Weil Ungarn den aserbaidschanischen Mörder in die Heimat geschickt hat, setzt Armenien nun die diplomatischen Beziehungen mit Budapest aus.

    Bereits im Jahr 2004 hatte der aserbaidschanische Offizier Ramil Safarow in Budapest den armenischen Leutnanten Gurgen Margarjan mit einem Beil im Schlaf erschlagen. In der ungarischen Hauptstadt hatten die beiden Armeeangehörigen an einem Englisch-Lehrgang im Rahmen des Nato-Programms „Partnerschaft für den Frieden“ teilgenommen. 2006 wurde Safarow von einem ungarischen Gericht zu lebenslanger Haft ohne Recht auf Begnadigung im Laufe von 30 Jahren verurteilt.

    Am heutigen Freitag kehrte der Mörder jedoch nach Aserbaidschan zurück und wurde dort von Präsident Ilcham Alijew begnadigt. Das stieß in Armenien auf Empörung. Der armenische Präsident Sersch Sargssjan warf Ungarn „Komplott“ mit Aserbaidschan vor, wie die Agentur Nowosti-Armenija meldete.

    Die ungarischen Behörden haben einen „Fehler“ begangen, erklärte Sargssjan am Freitag. „Sie haben faktisch ein Komplott mit Aserbaidschan geschmiedet…Wir müssen darauf reagieren.“  Laut Sargssjan handelt es um einen Mord aus ethnischen Gründen, der von einem EU-Mitgliedsland gerechtfertigt worden sei. Armenien setzt ab Freitag die diplomatischen Beziehungen und sämtliche offiziellen Kontakte mit Ungarn aus, so der Präsident.

    Zuvor hatten armenische und ungarische Medien berichtet, dass Aserbaidschan ungarische Staatsanleihen im Wert von bis zu drei Milliarden Euro kaufen wolle. Laut armenischen Experten lässt sich Aserbaidschan auf diesen Deal ein, um so Safarow „freizukaufen“.

    Seit dem Zerfall der Sowjetunion befinden sich die südkaukasischen Republiken Armenien und Aserbaidschan in einer anhaltenden Auseinandersetzung um Bergkarabach, ein Gebiet in Aserbaidschan, das mehrheitlich von Armeniern bewohnt ist. Nachdem sich Bergkarabach 1991 für unabhängig erklärt hatte, kam es zu einem blutigen Krieg mit etwa 30.000 Toten und einer Million Flüchtlingen. Aserbaidschan verlor dabei die Kontrolle über Bergkarabach und sieben anliegende Regionen. Bis heute gibt es keinen Durchbruch in den Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan.