21:56 23 September 2017
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    Anti-amerikanischer Protest zieht durch arabische Welt – „Nesawissimaja Gaseta“

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    Der in den USA produzierte Skandalfilm „Innocence of Muslims“ hat in der islamischen Welt zu einem wahren Proteststurm gegen Amerika geführt, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Der in den USA produzierte Skandalfilm „Innocence of Muslims“ hat in der islamischen Welt zu einem wahren Proteststurm gegen Amerika geführt, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Nach dem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi am Dienstag, bei dem Botschafter Christopher Stevens getötet worden war, wurde die US-Vertretung in Jemen am Donnerstag von wütenden Muslimen attackiert. Dabei wurde ein Mensch getötet und Dutzende verletzt. Darüber hinaus kam es zu anti-amerikanischen Protesten in Tunesien, im Iran und im Gaza-Streifen.

    In Sanaa sollen die Protestierer das Botschaftsgelände umzingelt, das Gebäude gestürmt und mehrere Fahrzeuge in Brand gesetzt haben. Wie zwei Tage zuvor in Kairo wurde die US-Flagge von der Stange gerissen und verbrannt. An ihrer Stelle wurde eine schwarze Fahne gehisst.

    Die Mitarbeiter der Botschaft waren nach BBC-Angaben rechtzeitig evakuiert worden. Die jemenitischen Behörden versprachen, die Sicherheitsmaßnahmen für die US-amerikanischen und alle anderen Diplomaten zu verstärken.

    Am Vortag musste die Polizei in Tunis mit Tränengas etwa 300 mit den schwarz-weißen Fahnen der Salafiten ausgerüstete Randalierer in die Flucht schlagen, die im Begriff waren, die US-Botschaft zu stürmen.

    In Teheran fand eine Protestaktion mit etwa 500 Menschen vor der Schweizer Botschaft statt, die die Interessen Washingtons in der Islamischen Republik vertritt. Für die Sicherheit des Botschaftspersonals sorgten mehrere hundert Polizisten.

    Seit drei Tagen dauern die anti-amerikanischen Proteste in Kairo an. Der ägyptische Präsident Mohamed Morsi forderte seine Landsleute zu Ordnung und friedlichen Protesten auf. Premier Hescham Kandil sagte, die USA sollten die Urheber des Skandalfilms zur Verantwortung ziehen.

    Inzwischen wurden neue Informationen über den Tod des US-Botschafters in Libyen bekannt. In der „New York Post“ wurden Fotos veröffentlicht, auf denen zu sehen ist, wie die Libyer den ohnmächtigen Diplomaten aus dem brennenden Konsulat tragen. Auf seinem Körper sind Rußspuren und Brandwunden zu sehen. Christopher Stevens starb bald danach in einem Krankenhaus an einer Rauchvergiftung.

    Experten warnen, dass der Iran die anti-amerikanischen Proteste nutzen könnte, um die Welt von seinem Atomprogramm und der Situation in der Golfregion abzulenken. 

    Der russische Orientalist Vitali Naumkin stellte fest, dass der Gewaltausbruch in der islamischen Welt nicht nur die Handlungsfreiheit Washingtons gegenüber Teheran einschränkt, sondern auch die Schiiten und Sunniten zusammenrücken lässt. „In solchen Momenten unterstützen die Muslime einander. Dadurch entstehen neue Umstände, die die USA und Israel berücksichtigen müssen“, unterstrich der Experte.

    Zugleich verwies er darauf, dass die Fortschritte in den Beziehungen zwischen den USA und der arabischen Welt, die nach dem „Arabischen Frühling“ offensichtlich gewesen seien, jetzt relativiert worden sind. „Die anti-amerikanische Protestwelle ist aber bald vorüber. Erstens gab es so etwas schon früher, und nichts wirklich Schlimmes folgte darauf. Zweitens sind alle Länder, in denen die Islamisten an der Macht sind, an guten Beziehungen zu den USA interessiert, von denen sie wirtschaftliche und militärische Hilfe erhalten“, so Naumkin.

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