14:12 24 September 2017
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    „Moskowski Komsomolez“: „Rochade“ Putin-Medwedew – ein Jahr danach

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    Vor genau einem Jahr, am 24. September 2011, ist die sogenannte Rochade durchgeführt worden, bei der damalige Präsident Dmitri Medwedew auf dem Kongress der Regierungspartei Geeintes Russland die Rückkehr von Wladimir Putin, damals Russlands Regierungschef, ins Präsidentenamt angekündigt hat, schreibt der Politologe Wladislaw Inosemzew am Montag in der Zeitung „Moskowski Komsomolez“.

    Vor genau einem Jahr, am 24. September 2011, ist die sogenannte Rochade durchgeführt worden, bei der damalige Präsident Dmitri Medwedew auf dem Kongress der Regierungspartei Geeintes Russland die Rückkehr von Wladimir Putin, damals Russlands Regierungschef, ins Präsidentenamt angekündigt hat, schreibt der Politologe Wladislaw Inosemzew am Montag in der Zeitung „Moskowski Komsomolez“.

    „40 Monate lang, während Dmitri Medwedew nominell Staatsoberhaupt war, blieb er nicht nur im Schatten des ‚Leaders der Nation¬’. Ihm wurde auch zu wenig Aufmerksamkeit vonseiten derjenigen zuteil, die mit ihm Hoffnungen auf eine Erneuerung des Landes hätten verbinden sollen.“

    „Die überwiegende Mehrheit der russischen Bürger mit liberalen Anschauungen war dem Präsidenten gegenüber unverhüllt ironisch eingestellt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe gar nicht angefangen, sein eigenes Führungsteam zu bilden. Gerechterweise muss man jedoch zugeben, dass kaum jemand bereit war, sich mit ihm öffentlich zu solidarisieren“, so der Experte.

    „Man empfand ihn als eine ‚Marionette Putins’ und sprach ihm von vornhinein die Fähigkeit und die Möglichkeit ab, die Situation adäquat einzuschätzen. Selbst in der Lage, in der sich  Präsident Medwedew all diese Jahre befand, erwies er sich als eine intelligente Führungspersönlichkeit, die keinesfalls versuchte, die Probleme, vor denen der Staat steht, abzutun.“

    „Während dieser vier Jahre haben wir nichts von brutalen Attacken auf das Business und von Umverteilungen der Einflusssphären gehört. Gerade unter Medwedew wurde die Reform des Strafrechts vorgenommen, das im Endeffekt viel liberaler gegenüber Unternehmern geworden ist. Gerade während seiner Amtszeit wurde ein Neustart in den Beziehungen zum Westen initiiert und der bedeutende Vertrag über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen geschlossen. Auch in den Beziehungen zu der EU war eine Milderung zu verzeichnen.“

    „Kaum jemand erinnert sich jetzt daran, dass es gerade Medwedew war, der eine prinzipielle Haltung zu Libyen bezogen und auf eine törichte und perspektivenlose Unterstützung von Gaddafi verzichtet hat“, schreibt der Autor.

    „Medwedew war nie ein Revolutionär, aber das Land brauchte auch keine Revolution. Es bedarf einer normalen, verantwortungsvollen Regierung, die sich der globalen Trends bewusst ist und sich nicht in den Illusionen von einer ‚Energie-Großmacht’ wiegt.“

    „Medwedew war und bleibt ein Mensch, der zu seinen Worten steht: Er versprach, das von ihm zeitweilig bekleidete Amt an Putin zurückzugeben, und hat das auch getan – obgleich diese Ehrlichkeit in Russland als eine Art Schwäche aufgenommen werden mag.“

    „Seit der ‚Rochade’ ist nur ein Jahr vergangen, bereits jetzt ist aber klar, dass Wladimir Putin weder die Erfahrungen noch das Ansehen besitzt, an die Dmitri Medwedew beim Parteikongress vor einem Jahr appelliert hatte“, heißt es im Beitrag. „Hätte er diese, so müsste der Kreml nicht heute die Spuren all der Veränderungen konsequent ausradieren, die mit dem Namen des Ex-Präsidenten verbunden sind. Denn die Machtstrukturen sind nicht bloß ein einzelner Mensch, sondern ein System, und heute sehen wir, wie dieses System sich selbst vernichtet.“

    „Medwedew war – das sieht man ein Jahr danach – ein durchaus moderner Präsident. Er war bereit, den Raum der Freiheit zu erweitern, wurde dafür aber nur ausgelacht. Er konnte zuhören – war dies der Grund, dass niemand bestrebt war, einen Dialog mit ihm aufzunehmen?“

    Jetzt wird er nicht nur von denjenigen gehetzt, deren Interessen er verletzt haben mag, sondern auch von denjenigen, deren Ansichten er teilte, obwohl er diese Tatsache nicht gerade zur Schau stellte.

    Wenn man sich das alles anschaut, kann man nur bedauern, dass der Zeitraum, in dem er ‚als Präsident gearbeitet hat’, so kurz war“, heißt es im Beitrag abschließend.

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