04:52 11 Dezember 2017
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    Wladimir Putin und Angela Merkel beim 12. Forum Petersburger Dialog

    Antisemitismus-Vorwurf gegen Pussy Riot: Putin droht PR-Desaster - „Moskowski Komsomolez“

    © Sputnik/ Aleksei Nickolskii
    Politik
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    Der offene Schlagabtausch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte für den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem veritablen PR-Desaster auswachsen, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Montag.

    Der offene Schlagabtausch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte für den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem veritablen PR-Desaster auswachsen, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Montag.

    Statt ernsthaft über die Probleme in den russisch-deutschen Beziehungen zu sprechen, entbrannte ein Streit darüber, ob Pussy Riot antisemitisch ist. Putin hatte den Disput nicht nur vom Zaun gebrochen, sondern auch erschreckende Unkenntnis an den Tag gelegt.

    Ein Auftritt wie der der russischen Punkband in einer Kirche würde auch in Deutschland „Diskussionen“ hervorrufen, hatte Merkel am Freitag bei ihrem Treffen mit Putin gesagt. „Aber dass man dafür zwei Jahre ins Straflager muss, das wäre in Deutschland nicht passiert“, sagte sie.

    Merkels Worte sind eine Kritik an Putins Russland. Doch es ist eine absolut korrekte, respektvolle und verschleierte Kritik. Hätte Merkel den Fall Pussy Riot mit keiner Silbe erwähnt, hätte sie sich in Berlin den Vorwurf gefallen lassen müssen, bei ihrem Gespräch mit Putin klein beigegeben zu haben.

    Jeder erfahrene und intelligente Politiker hätte auf Merkels mahnende Worte eine passende Antwort gefunden. Doch Putin wollte nicht nur einen schlagfertigen Konter setzen, sondern seine Kritiker an den Pranger stellen. Der russische Präsident verwies darauf, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für die inhaftierten Mitglieder der Band eingesetzt hatte. „Weiß sie aber, dass eine dieser Frauen vor dieser Aktion eine Juden-Puppe aufgehängt und erklärt hatte, von solchen Menschen müsse man sich befreien?“, so Putin. „Wir können nicht Menschen unterstützen, die antisemitische Positionen vertreten“, sagte Putin.

    Was Putin mit seiner Argumentation im Schilde führte, ist naheliegend. In Deutschland sind Antisemitismus-Vorwürfe sehr gefährlich. Wenn die Punkband Pussy Riot tatsächlich antisemitische Ideen vertreten würde, wäre sie bei den deutschen Politikern unten durch.

    Allerdings verfehlte Putin mit seinem Konter das Ziel. Den Musikerinnen kann vieles vorgeworfen werden, aber nicht Antisemitismus.

    Die Aktion, auf die sich Putin bezog, fand am 8. September 2008 in einem Moskauer Einkaufszentrum statt. Sie wurde von der Künstlergruppe Wojna (Krieg) durchgeführt, unter Beteiligung einer der verurteilten Pussy-Riot-Mitglieder. Bei der Aktion wurden drei „Gastarbeiter“ und zwei „Homosexuelle“, davon einer mit „jüdischer“ Herkunft, symbolisch erhängt. Die Künstler wollten mit ihrer Aktion gegen die „Verletzung der Minderheitenrechte im heutigen Russland“ protestieren.

    Putin hat sich mit seiner falschen Aussage selbst in eine peinliche Lage gebracht. Deutsche Politiker und Journalisten können Putin jetzt der Verleumdung und der Lüge bezichtigen.

    Laut Quellen im Kreml liest Putin kaum russische Zeitungen. Dafür verfolgt er aufmerksam deutsche Printmedien und TV-Sendungen. Die deutschen Medien werden Putin jetzt wohl eines Besseren belehren.