13:02 18 Oktober 2017
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    Dagestan: Ärzte vom OP-Tisch weg verhaftet

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    Zwei Ärzte sind in Machatschkala, Hauptstadt der nordkaukasischen Teilrepublik Dagestan, mitten in einem chirurgischen Eingriff festgenommen und abgeführt worden. Einer davon wurde kurz danach „beim Versuch, Widerstand zu leisten“, erschossen. Der andere sitzt seit Tagen in U-Haft. Der Skandal ist seit mehreren Tagen Stadtgespräch.

    Zwei Ärzte sind in Machatschkala, Hauptstadt der nordkaukasischen Teilrepublik Dagestan, mitten in einem chirurgischen Eingriff festgenommen und abgeführt worden. Einer davon wurde kurz danach „beim Versuch, Widerstand zu leisten“, erschossen. Der andere sitzt seit Tagen in U-Haft. Der Skandal ist seit mehreren Tagen Stadtgespräch.

    Die beiden Ärzte, der Anästhesiologe Marat Gunaschew und der Chirurg Schamil Gassanow, werden von der Ermittlung verdächtigt, in den Mord am Chefpolizisten von Machatschkala vor zwei Jahren verwickelt gewesen zu sein.

    Gassanow wurde kurz nach der Festnahme am 28. November „beim Versuch, die Durchsuchung in seinem Haus zu behindern“, erschossen. In Gunaschews Haus stellte die Polizei nach eigenen Angaben zehn Zündholzschachteln mit Rauschgift im Zimmer seiner Tochter sicher.

    „Die Beamten, die die Wohnung durchsuchten, steckten Drogen in den Schrank unseres Kindes, wo die Tochter ihre Schulutensilien aufbewahrt“, so Gunaschews Ehefrau Amina. Laut den Ermittlungsbeamten, führte sie weiter aus, haben die Ärzte „radikalen Islam praktiziert“. „Alles gelogen, wir sind eine absolut unreligiöse Familie, das wird jeder sagen, der mit meinem Mann gearbeitet hat“, erklärte Amina Gunaschewa. 

    „Mein Mann hatte insgesamt drei Arbeitsstellen, darunter auch bei der Zivilschutzbehörde. Er hat nicht nur zivilen Einwohnern, sondern auch Polizisten das Leben gerettet“, betont sie. 

    Gunaschews Angehörige, Kollegen und Ex-Kommilitonen wollten eine Protestkundgebung gegen seine Verhaftung auf dem zentralen Platz von Machatschkala abhalten, der Gesundheitsminister der Teilrepublik verbat allerdings den Medizinern, an der Aktion teilzunehmen.

    „Da muss ein Fehler vorliegen, denn die beiden sind loyale Bürger und gute Ärzte, dies sind keine Halbwüchsigen, die im Wald herumlaufen, sondern solide Menschen mit Familien, Kindern, Beruf und festen Arbeitsstellen“, äußerte ein Kollege der beiden Ärzte aus dem Stadtkrankenhaus Nummer zwei. 

    Der Chefpolizist von Machatschkala, Achmed Magomedow, war am 5. Februar 2010 beim Beschuss seines Dienstautos zusammen mit dem Fahrer und zwei anderen Polizisten in Machatschkala getötet worden.

    Der Anwalt äußerte im Gespräch mit dem Webportal „Kawkasski Usel“ vorerst nur eine Version für Motive der Verhaftung: persönliche Rache einer von Gassanow verlassenen Ex-Freundin.

    Laut einigen, offiziell nicht bestätigten Angaben hatte Gassanow auch regierungsfeindlichen Extremisten medizinische Hilfe erwiesen, während Gunaschew ihm bei der Versorgung mit Arzneimitteln half. Unklar bleibt allerdings, wie der vermeintliche Drogen-Fund in der Wohnung von Gunaschew mit der Anschuldigung zusammenreimen lässt, in die Tötung des Chefpolizisten von Machatschkala verwickelt gewesen zu sein.

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