13:05 23 September 2017
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    Promi gegen Priester: Debatte zur Legalisierung von Sexarbeit in Russland

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    Unter dem Motto „Prostitution legalisieren – Steuern einbringen“ hat in Moskau eine Konferenz stattgefunden, bei der ein Gesetzentwurf zur staatlichen Kontrolle im Bereich der Sex-Dienstleistungen diskutiert wurde, berichtet der russische Dienst der BBC am Mittwoch.

    Unter dem Motto „Prostitution legalisieren – Steuern einbringen“ hat  in Moskau eine Konferenz stattgefunden, bei der ein Gesetzentwurf zur staatlichen Kontrolle im Bereich der Sex-Dienstleistungen diskutiert wurde, berichtet der russische Dienst der BBC am Mittwoch.

    Die Konferenz war auf Initiative der russischen Stiftung „Sittenpolizei“ einberufen worden. Die Anhänger der Legalisierung der Prostitution sind der Auffassung, dass die Behörden dadurch dieses Millionen-Business aus dem Schatten holen, den Frauen in der „Sexindustrie“ soziale Garantien und Schutz zukommen lassen und ihren Kunden Sicherheit gewährleisten könnten.

    Die Argumente der Gegenseite lauten, eine solche Herangehensweise würde gegen die traditionellen moralischen Werte verstoßen und zu einer Ausweitung der Prostitution im Lande führen. Diese gesellschaftliche Erscheinung auszurotten sei ohnehin unmöglich, halten die Befürworter einer gesetzlichen Erlaubnis für Sexarbeit entgegen. Der einzige Ausweg liege in der Überführung des riesigen illegalen Markts der Sex-Dienstleistungen unter staatliche Kontrolle.

    Die Liberalisierung der Prostitution hat dabei im Schlagersänger und Staatsduma-Abgeordneten von der Kreml-Partei Geeintes Russland Joseph Kobson einen prominenten Fürsprecher. Dieser äußerte aber auch Zweifel daran, dass ein solches Gesetz Chancen hat, die erforderlichen Instanzen zu durchlaufen.

    Das von der „Sittenpolizei“ entworfene Dokument reguliert die Beziehungen der Prostituierten, die als „Privatunternehmerinnen im Bereich Sex-Dienstleistungen“ bezeichnet werden, mit ihren Kunden sowie mit den entsprechenden Behörden. Die Autoren des Gesetzentwurfs schlagen vor, in Zukunft nur mehr illegale Sexarbeit als Prostitution zu bezeichnen, das legalisierte „Unternehmerinnentum“ hingegen als „sexuelle Dienste“.

    Das Schmiergeld für Polizisten ist laut Oxana Jarzewa, Vertreterin der inoffiziellen Prostituierten-Gewerkschaft „Silberne Rose“, der größte Ausgabenpunkt der Prostituierten. In Russland sei die Prostitution faktisch legalisiert worden, wobei die Steuern nicht im Portemonnaie des Staates landen und somit für Renten oder Straßenbau ausgegeben werden, sondern „in den Taschen der Korruption“.

    Jarzewa zufolge sind die Prostituierten größtenteils „erwachsene Menschen, die ihre Wahl bewusst getroffen haben“. Ihr stimmte der Journalist und Dokumentarfilmer WadimMurawjow zu, der sich in seinen Arbeiten dem Thema widmet. Ihm zufolge sind die Geschichten von Frauen, die gezwungen seien, als Prostituierte zu arbeiten, um ihre Familien zu ernähren, „allesamt erlogen“.

    Der Priester Dmitri Smirnow, Leiter der Sinodalabteilung für das Zusammenwirken von Kirche und Streitkräften sowie Rechtsschutzorganen, schlug vor, die Vertreterinnen der Sex-Industrie hart zu bestrafen und damit das Problem zu lösen. Ihm zufolge sind Prostituierte zu einer Haftstrafe von fünf Jahren zu verurteilen. Für Bordellbesitzer angemessen sind ihm zufolge zunächst zehn Jahre Haft, im Wiederholungsfall dann 25 oder sogar lebenslang.

    Derzeit steht auf Prostitution in Russland eine Geldstrafe von 1500 bis 2000 Rubel (1 Euro=ca. 40 Rubel).  Zuhälterei oder Beihilfe zur Prostitution wird mit acht bis zehn Jahren Freiheitsentzug geahndet.

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