15:52 17 August 2017
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    Raketenschild: Moskau ruft neuen US-Verteidigungsminister zu Konsultationen auf

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    US-Raketenabwehr rund um Russland (623)
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    Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat am Montag seinen US-Amtskollegen Chuck Hagel angerufen und regelmäßige Konsultationen zum umstrittenen Raketenschild in Europa auf der Ebene der Vizeverteidigungsminister vorgeschlagen.

    Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat am Montag seinen US-Amtskollegen Chuck Hagel angerufen und regelmäßige Konsultationen zum umstrittenen Raketenschild in Europa auf der Ebene der Vizeverteidigungsminister vorgeschlagen.

    Schoigu habe gegenüber Hagel, der seit Ende Februar Chef des Pentagon ist, die Überzeugung ausgesprochen, dass „es in den Beziehungen zwischen den Verteidigungsministerien der beiden Großmächte zu keinem Chaos kommen darf“, teilte Schoigus Stellvertreter Anatoli Antonow mit.

    Zudem habe Schoigu, der seit November 2012 das russische Verteidigungsministerium leitet, auf die Notwendigkeit verwiesen, den militärischen Dialog zwischen beiden Staaten, insbesondere die Konsultationen zur europäischen Raketenabwehr auf der Ebene der Vizeverteidigungsminister, wieder aufzunehmen, sagte Antonow. „Denn die weitere Entwicklung der Situation um die europäische Raketenabwehr interessiert uns sehr.“

    Die USA hatten bereits unter Präsident George W. Bush angekündigt, eine Radaranlage in Tschechien und zehn Abfangraketen in Polen zu stationieren, nach eigener Darstellung um Europa vor iranischen Raketen zu verteidigen. Diese Pläne stießen bei Russland auf Widerstand.

    US-Präsident Barack Obama legte nach seinem Amtsantritt 2008 diese Pläne vorübergehend auf Eis. Nach dem neuen Konzept soll der Aufbau des Systems 2015 beginnen und fünf Jahre dauern. Bis dahin sollen amerikanische Kriegsschiffe mit Abfangraketen und Radaren in Nord- und Südeuropa patrouillieren. Das Luftabwehrsystem in Europa soll die beiden bestehenden US-Raketenschirme auf Alaska und in Kalifornien verstärken. De facto bedeutet das den Aufbau eines globalen Raketenabwehrsystems, das das jetzige Kräftegleichgewicht in der Welt zerstört. Russland besitzt nur einen strategischen Raketenschirm, der die Hauptstadt Moskau schützt.

    Die Nato beschloss im November 2010 bei ihrem Gipfel in Lissabon, die Raketenabwehrsysteme der europäischen Nato-Mitglieder und der USA zu vereinen. Obwohl sich Russland und die Nato auf eine Kooperation einigten, verliefen die Verhandlungen im Sande, nicht zuletzt, weil die USA die Forderung Russlands abgelehnt haben, rechtsverbindlich zu garantieren, dass der entstehende Raketenschirm nicht Russlands Atomraketen zum Ziel hat.

    Nach ergebnislosen Verhandlungen mit der Nato kündigte Russland 2011 eine Reihe von militärischen Maßnahmen an, um den entstehenden Raketenschild in Europa im Kriegsfall neutralisieren zu können. Das Paket reicht von der Aufstellung von Iskander-Raketen in der Ostssee-Region Kaliningrad über die Modernisierung der Atomraketen bis zu einem möglichen Ausstieg aus den Abrüstungsverträgen. Der russische Generalstab schloss sogar als äußerstes Mittel einen Präventivschlag gegen die Raketenabwehranlagen in Europa nicht aus.

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