03:20 03 Dezember 2016
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    US-Vorgehen gegen Islamisten: „Inkompetenz am Rande des Abgrunds“ - Experte

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    Entweder lügt die US-Führung in Bezug auf ihre wahren Ziele im Kampf gegen den „Islamischen Staat“, oder lebt sie in einer imaginären Welt. Zu diesem Schluss gelangt ein russischer Orientalist im Hinblick auf die Situation im Irak und in Syrien.

    Entweder lügt die US-Führung in Bezug auf ihre wahren Ziele im Kampf gegen den „Islamischen Staat“, oder lebt sie in einer imaginären Welt. Zu diesem Schluss gelangt ein russischer Orientalist im Hinblick auf die Situation im Irak und in Syrien.

    In einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „WPK“ analysiert der russische Auslandsexperte Jewgeni Satanowski die jüngste Rede von Barack Obama, der den Dschihadisten des „Islamischen Staates“ den Kampf angesagt hat und eine Koalition für diese Zwecke schmiedet.

    „Von der Form her war die Rede des US-Präsidenten mehr als gelungen. Könnte man Kriege durch Auftritte vor Mikrofon gewinnen, wären die Islamisten zweifelsohne schon demoliert worden (…) Doch die traurige Realität besteht leider darin, dass eine Kriegserklärung nicht ausreicht, um diesen Krieg erfolgreich zu beenden. Die USA reagieren jetzt mit Verspätung und nicht ganz logisch: Den Kampf gegen einen realen und ernstzunehmenden Feind wollen sie mit alten geopolitischen Spekulationen kombinieren – etwa in Bezug auf einen Sturz von Baschar Assad“, schreibt Satanowski.

    Im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ habe Obama offenbar nicht vor, mit der Regierung in Damaskus zu kooperieren, obwohl die syrische Luftwaffe gegen die Dschihadisten intensiv vorgehe. Obama wolle nach eigenen Worten die syrische Opposition unterstützen. Doch es gibt in Syrien keine nichtreligiöse Opposition, die militärisch stark wäre. Die Freie Syrische Armee sei längst zerfallen – nicht zuletzt weil ihre westlichen Sponsoren Geld gespart und sich darauf beschränkt hätten, Trainingslager einzurichten und außenpolitische Unterstützung zu leisten. Trotzdem spreche Obama von einer Rückendeckung ausgerechnet für die nichtreligiöse syrische Opposition, so der Kommentar.

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    „Schlüsse, die sich daraus ziehen lassen, sind wenig tröstlich. Entweder lügt die US-Führung, indem sie auf Islamisten setzt, um gegen die anderen Islamisten zu kämpfen (…) Oder wurde Präsident Obama irregeführt. Oder (was noch schlimmer wäre) lebt er in einer imaginären Welt, die nur in der Vorstellung seiner Mitarbeiter existiert. Die Inkompetenz der politischen und Militärführung des einflussreichsten Staates der gegenwärtigen Welt hat also die Grenze erreicht, hinter der ein Abgrund liegt“, stellt Satanowski fest.

    Anstatt zu den wirklich notwenigen Methoden im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ zu greifen, beschränken sich die USA und die weiteren westlichen Mitglieder der Koalition laut Satanowski darauf, Flagge zu zeigen.

    Der Experte schreibt weiter: „Angesichts der Massenmorde an Zivilisten, des Genozids an Minderheiten sowie der demonstrativen Hinrichtungen westlicher Bürger kann der US-Präsident nicht tatenlos zusehen. Andererseits sympathisiert er mit Islamisten, falls sie Amerika nicht angreifen, obwohl er das nicht offen demonstrieren kann. Außerdem ist Obama nicht bereit, seinen erklärten Kurs auf einen Sturz von Assad nicht aufgeben.“

    Vor diesem Hintergrund seien keine theoretisch richtigen Schritte in der Lage, einen Sieg über den „Islamischen Staat“ herbeizuführen. Denn die USA seien daran nicht interessiert, obwohl Obama das Gegenteil behaupte. Ein zunehmender Einflussbereich der Islamisten mache die US-Hilfe für die regionalen Akteure lebenswichtig. „Was die vom ‚Islamischen Staat‘ Getöteten betrifft (einschließlich der US-Bürger), ist das nicht der erste Genozid seit einem Jahrhundert, den die USA ‚nicht bemerkt‘ haben“, so der Experte weiter.

    „Weder die rituellen Versprechungen, den Aggressor zu bestrafen, noch die gezielten Luftangriffe sind für den ‚Islamischen Staat‘ gefährlich. Aber auch dessen Kämpfer sind keine Gefahr für die USA. Obamas Regierung scheint davon fest überzeugt zu sein“, schlussfolgert Satanowski.

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