03:24 26 März 2017
Radio
    Politik

    Gefangenenaustausch in Ukraine: Armee unterschiebt Volkswehr offenbar zufällige Leute

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 46 0 0

    Beim Gefangenenaustausch mit den Milizen überstellt das ukrainische Militär statt Gefangenen offenbar zufällige Leute. Dies bestätigen sowohl die Führung der von Kiew abtrünnigen „Donezker Volksrepublik“ als auch die so freigekommenen „Kriegsgefangenen“.

    Beim Gefangenenaustausch mit den Milizen überstellt das ukrainische Militär statt Gefangenen offenbar zufällige Leute. Dies bestätigen sowohl die Führung der von Kiew abtrünnigen „Donezker Volksrepublik“ als auch die so freigekommenen „Kriegsgefangenen“.

    „Die Ukraine unterschiebt uns beim Tausch falsche Leute“, sagte DVR-Vizepremier Andrej Purgin am Montag RIA Novosti. „Von den 60 Gefangenen, die sie uns zuletzt zum Tausch angeboten haben, waren 45 zufällige Leute.“ Ein überstellter „Gefangener“ habe sich nach dem Tausch als Taxifahrer aus Charkow entpuppt. „Er erzählte, dass er wegen Alkohol am Steuer festgenommen und dann zum Gefangentausch hierher geschickt worden sei.“

    Es gibt offenbar viele weitere solche Fälle. Ein Mann, der von der Armee freigelassen wurde, berichtete RIA Novosti, dass er bei einer Anti-Regierungs-Demo in der weit vom Kampfgebiet liegenden Stadt Nikolajew gefasst worden sei. Ein weiterer Freigelassener war von den Behörden festgenommen worden, nachdem er in einem Telefongespräch mit einem Verwandten über ukrainische Kriegstechnik vor seinem Fenster berichtet hatte. Der Mann ist nach eigenen Angaben Musiklehrer und habe nie Waffen in der Hand gehalten. Ganz ähnlich ist die Geschichte von Alexander  aus Charkow. Der junge Mann beteuert, in keinerlei Beziehung zu den Milizen zu stehen. Er sei von der Polizei vor seinem Haus verschleppt und wegen Separatismus und Terrorismus beschuldigt worden. „Man hat mich geschlagen, damit ich mich zu mehreren Morden bekenne“, sagte der Mann sichtlich ratlos. Er wisse nicht mehr weiter. Er habe Angst, wieder hinter Gittern zu landen, wenn er nach Charkow zurückzukehre. 

    Der Gefangenenaustausch ist Teil eines Plans zur friedlichen Konfliktlösung, den beide Konfliktgegner am 5. September in Minsk vereinbart haben. Der Plan sieht unter anderem einen Waffenstillstand und einen Sonderstatus für die von Kiew abtrünnigen Regionen im Osten des Landes vor. Seitdem sehen das Militär und die Milizen zwar von Offensiven ab, dennoch wird fast täglich von Angriffen auf beiden Seiten und von neuen Todesopfern berichtet. Am 19. September vereinbarten die Konfliktgegner die Einrichtung einer 30 Kilometer breiten Pufferzone, um Verstöße gegen die Waffenruhe zu verhindern.

    Die Gefechte zwischen Militär und bewaffneten Regierungsgegnern in der Ost-Ukraine hatten im April begonnen. Die ukrainische Übergangsregierung hatte Panzer, Kampfjets und Artillerie gegen die östlichen Industrie-Regionen Donezk und Lugansk geschickt, weil diese den nationalistisch geprägten Februar-Umsturz nicht anerkannt und „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Der Militäreinsatz kostete laut UN-Angaben mehr als 3000 Zivilisten das Leben.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren