01:01 13 Dezember 2019
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    Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA)

    Schreckgespenst Pegida

    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    Politik
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    Pegida – die unschöne und bedrohlich klingende Abkürzung ist in Deutschland auf einmal omnipräsent. Ein Gespenst geht um. Inzwischen ist Pegida nicht mehr nur eine Vokabel – das Wort steht für Massenaktionen erboster Bundesbürger in Dresden und anderen Städten.

    Das Adjektiv „patriotisch“ ist wieder gefragt – ein sicheres Indiz für eine Krise im Lande: „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Bundesinnenminister und andere Top-Repräsentanten haben Stellung dazu genommen. Sie alle verstehen den deutschen Patriotismus anders. Jedenfalls stehen sie alle geschlossen für ein Deutschland als Einwanderungsland.

    „Wir haben in Deutschland seit 15 oder 20 Jahren glücklicherweise einen politischen Konsens darüber, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“, so Dirk Halm, Professor an der Universität Münster und Mitarbeiter am Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen. „Was die Pegida angeht, ist diese Bewegung zum Glück sehr wenig profiliert“, sagte er in einem Interview für Sputnik. „Es gibt zwar keine soziologischen Befunde darüber, wer bei Pegida tatsächlich auf der Straße steht. Aber man spricht darüber, dass die Islamskepsis bzw. die Islamfeindlichkeit sich in Richtung der Gesellschaftsmitte bewegt.“

    „Mit den neuen Möglichkeiten, sich öffentlich zu äußern, scheinen auch Hemmschwellen gefallen zu sein“, betonte Halm. „Es ist einfacher geworden, den eigenen Ressentiments gegen Fremde und gegen den Islam freien Lauf zu lassen. In bestimmten gesellschaftlichen Milieus wird dadurch die Ausgrenzung anderer Religionen gesellschaftsfähiger.“

    Immerhin ist Pegida nicht aus heiterem Himmel gekommen. War Thilo Sarrazin schon 2010 mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ der Vorbote der heutigen Entwicklung? „Muslimische Migranten integrierten sich überall in Europa schlechter als andere Einwanderergruppen“ — dieses Sarrazin-Zitat könnten sich Pegida-Demonstranten auf ihre Fahnen schreiben.

    Pegida-Demos rufen mittlerweile Gegen-Demos auf den Plan. 12 000 Demonstranten gingen am Montag in München auf die Straße „im Sinne von Offenheit und Gastfreundschaft“. Die Evangelische Kirche demonstriert ebenfalls ihren eindeutigen Standpunkt: Kirche in Deutschland sehe die Muslime und ihre Religion als Teil der deutschen Gesellschaft, erklärt EKD-Ratsvorsitzender und bayerischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

    Wie tief die Deutschen durch den Diskurs gespalten sind, wird das kommende Jahr zeigen. Hoffentlich bleiben uns böse Überraschungen gespart.

     

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