14:36 20 Oktober 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    Pegida und Anti-Pegida (52)
    0 11317
    Abonnieren

    48 Jahre alt, ausgebildet, berufstätig, gutes Einkommen – so sieht ein Pegida-Demonstrant laut Dresdner Studie aus, die nach dem größten Pegida-Aufmarsch am Montag erschienen ist. Bezug auf den Pariser Anschlag habe es zum Erstaunen der Studie-Autoren dabei sehr wenig gegeben.

    Zusammen mit Kollegen und Studierenden begab sich der Dresdner TU-Professor Hans Vorländer zu den Pegida-Demonstranten auf die Straßen. „Wir sind nicht von der Presse“, war die Schlüsselaussage, die die Teilnehmer reden ließ. „Der „typische“ Pegida-Demonstrant entstammt der Mittelschicht, ist gut ausgebildet, berufstätig, verfügt über ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen, ist 48 Jahre alt, männlich, gehört keiner Konfession an, weist keine Parteiverbundenheit auf und stammt aus Dresden oder Sachsen“, folgert Professor Vorländer in seiner Studie. 

    Warum gehen sie zur Demonstration? Hier habe man laut Vorländer meistens politische Gründe angeführt. „Die meisten sagten, weil wir unzufrieden sind mit der Politik. Diese Unzufriedenheit machen konkrete politische Ereignisse, die Unfähigkeit von Seiten der Politik aus, eine vernünftige Integrationspolitik durchzuführen, adäquat in der Außenpolitik zu agieren“, sagte Professor Vorländer in einem Sputnik-Interview. Islam und Islamisierung seien nur für knapp ein Viertel motivierend gewesen, im Unterschied zu der vorherrschenden Unzufriedenheit mit der Berichterstattung über Pegida. „Es war für uns auch erstaunlich, dass am Montag so wenig Bezug auf den Anschlag in Paris genommen wurde, insofern hat das nicht zu einer großen Veränderung der Motive geführt“, so Vorländer. 

    Statistik hin oder her, die Angst vom Fremden schwingt beim Pegida-Phänomen mit, wenn auch laut Studie nur zu einem Viertel. Gründe für diese Angst seien mangelnde Kontakte, meint Jürgen Micksch, Chef des Interkulturellen Rates in Deutschland. „Dort, wo es keine Kontakte gibt, sind die Ängste größer. Diese Ängste können eine Motivation sein, um sich intensiver mit dem zu beschäftigen, wovor man Angst hat. Die ist eine Chance auf ein besseres Miteinander“, erklärte Micksch gegenüber Sputnik. „Die Pegida-Bewegung haben wir als rassistische Bewegung bezeichnet, weil von dieser Bewegung Minderheiten diskriminiert werden“, fügt er hinzu. 

    Für Ahmed Aslaoui, Leiter des Islamischen Zentrum in Dresden, ist die Angst vor „fremden“ Muslimen unfassbar: „Wir sind auch Bürger dieses Staates, wir führen einen ganz normalen Alltag, wir gehen arbeiten, haben Kinder und Familien. Auf einmal kommt dann ein verzerrtes Bild, etwa dass ein Muslim in einem Schneckenhaus lebt. Im Gegenteil, wir versuchen sehr aktiv, uns in die Gesellschaft zu integrieren und nehmen am politischen und sozialen Geschehen sehr aktiv teil.“ 

    Wie es Pegida weiter geht und in welcher Form, ist für Experten schwer einzuschätzen. Inzwischen ist nur klar, dass „diese Diskussion über Pegida aber auch insgesamt über politische Fragen bis in die Familien und das Privatleben hineinreicht“, sagt Dresdner Stadtsprecher Karl Schuricht gegenüber Sputnik.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Pegida und Anti-Pegida (52)

    Zum Thema:

    Schreckgespenst Pegida
    Pegida-Phänomen in deutscher Presse: Keine Lügen, sondern Freiheit
    Mediale-Verwirrung: Ist PEGIDA rechts oder links?
    Zehntausende Teilnehmer bei deutschlandweiten Anti-Pegida-Demos
    Tags:
    PEGIDA, Deutschland