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09:57 23 Oktober 2019
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    Nach Daten-Diebstahl: Ex-DDR-Agent warnt vor Gefahr der Doppelspionage

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    Die geraubte BND-Liste gefährdet nur einen Teil der 3.500 Agenten, so Ex-Agent Rainer Rupp. Die im Inland tätigen Geheimdienstmitarbeiter seien nicht betroffen. Für die im Ausland tätigen Agenten könne es erhebliche Probleme geben, falls die CIA nicht verantwortungsvoll mit der Liste umgehe.

    Nicht allen BND-Mitarbeitern stünden Probleme bevor, da Deutschland auch für Agenten mit weniger wichtigen Funktionen Decknamen führe. „Diejenigen allerdings, die im Ausland, speziell in den arabischen Ländern, tätig sind, könnten von der CIA nun zur Doppelspionage genutzt werden“, erklärt Rainer Rupp, der als Agent für den Warschauer Pakt unter dem Decknamen Topas agierte, in einem Interview mit den Sputnik-Korrespondenten Jana Hermanovskaja und Marcel Joppa.

    Rainer Rupp weiß von den Sicherheitslücken, die seiner Meinung nach in jeder Behörde bestehen und wundert sich deshalb nicht über den Raub. „Möglich ist sowas immer. Und wie man sieht, braucht man dazu noch nicht einmal supermoderne Hilfsmittel.“ Es bleibe zu hoffen, dass die CIA verantwortungsvoll mit der ihr zugespielten Liste umgehe, so Rupp. Wie dicht allerdings der amerikanische Mitwisser hielte, sei dahin gestellt. Man wüsste nie, ob durch einen Whistleblower, wie im Fall Snowden, Namen weitergegeben würden oder nicht. 

    Laut dem Innenausschuss des Bundestags sind zwar Maßnahmen ergriffen worden, damit so etwas nicht mehr geschieht, allerdings bezweifelt Rupp, dass der Fall ernsthaft untersucht würde. „Man ist gar nicht daran interessiert, wer es wirklich war“, erklärt Rupp und beruft sich nicht nur auf den BND-Skandal, sondern vergleicht die Situation auch mit dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“

    Interessant seien bei beiden Vorfällen gewisse Unstimmigkeiten, hebt Rainer Rupp hervor und spielt auf die kursierende Vermutung einer „False Flag Operation“ an. „Es gibt viele Verschwörungsfakten in der Welt, beispielsweise der Reichstagsbrand“. Dabei handele es sich um Vorfälle, die nicht aufgeklärt seien. „Die Leute glauben nicht, was ihnen aufgetischt wird.“ Verwerflich sei allerdings, dass eine Person oder Gruppe die Deutungshoheit übernehme und behaupte, dass diese eine Theorie der Wahrheit entspreche, ohne jegliche Gründe dafür zu liefern. Mit so einem Vorgehen wolle man den Menschen ein Denkverbot auferlegen. 

    Hinsichtlich der Anschläge auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ stößt sich Rupp an dem Auftritt einiger Politiker beim anschließenden Solidaritäts-Marsch. „Das türkische und das jordanische Staatsoberhaupt laufen Seite an Seite, um für die Pressefreiheit einzutreten. Dabei haben sie sicher selber den einen oder anderen Journalisten ins Gefängnis geworfen, weil seine Meinung ihnen nicht gepasst hat“, vermutet Rupp. Die Annahme Erdoğans, dass der israelische Geheimdienst hinter dem „Charlie Hebdo“- Attentat stecke, sei nicht abwegig. Der Mossad habe schon immer eng mit anderen Geheimdiensten in der EU zusammengearbeitet, bemerkt Rupp.

    Rainer Rupp war in den 1980er Jahren als Agent unter dem Decknamen Topas für die DDR und den Warschauer Pakt tätig. Er wurde 1993 verhaftet und zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe wegen Landesverrats verurteilt. Nach seiner Entlassung im Jahre 2000 ist er hauptsächlich als Autor tätig und schreibt für die „Junge Welt“ und „Neues Deutschland“.

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    Tags:
    Charlie Hebdo, Bundesnachrichtendienst (BND), CIA, Rainer Rupp, Edward Snowden
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