13:54 24 Februar 2020
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    Nach dem Anschlag in Paris will die Nato wieder mit Russland im Kampf gegen den Terror kooperieren. Ein russischer Militärexperte weist jedoch darauf hin, dass der Westen jegliches Vertrauen selbst ruiniert hat.

    In einem Beitrag für die russische „Nesawissimaja Gaseta“ kommentiert der Militärexperte Viktor Litowkin die jüngste Erklärung von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, wonach die Allianz bereit sei, mit Russland im Kampf gegen den Terrorismus zusammenzuarbeiten. 

    Litowkin schreibt: „Zunächst stuften die Nato-Leiter Russland als eine der größten Bedrohungen für die globale Sicherheit ein. Doch nach dem Terroranschlag auf ein Nato-Mitglied zeigen sie sich sofort kooperationsbereit (…) Moskau wird allerdings kaum bereit sein, die Partnerschaft mit denen wiederaufzunehmen, die ihm aggressive Bestrebungen attestieren, Russland als Gegner betrachten und Militärbasen an der russischen Grenze stationieren.“

    Auch Russlands neue Militärdoktrin lege nahe, dass eine Kooperation mit der Nato nicht mehr möglich sei. Russland halte das Nordatlantische Bündnis für keinen Partner mehr. Ein Beleg dafür sei das im Dezember absolvierte Großmanöver in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad. Am diesem Manöver seien insgesamt 9.000 Mann beteiligt gewesen. Unter anderem seien Kurzstreckenraketen des Typs Iskander-M zum Einsatz gekommen, hieß es.
      
    „Trotz der US- und der EU-Sanktionen ist Russland nicht verstummt und will sich nicht der ‚Macht der westlichen Welt‘ beugen. Stattdessen startet Russland ein ernstes und anschauliches Manöver direkt vor der Nase der starken Nato-Truppe, die sich an der russischen Grenze befindet. Zu diesem Manöver wurden keine Nato-Beobachter eingeladen, obwohl die Nato-Russland-Grundakte diese Einladung vorsieht. Warum hat Moskau so entschieden? Die Antwort ist wie folgt: Die Nato hat selbst die Beziehungen abgesprochen und gegen die Grundakte verstoßen“, so der Kommentar.  

    Die Nato habe damit begonnen, ihre Kampfjets in Litauen und Estland zu stationieren. US-Soldaten seien im Baltikum gelandet, um die Region vor einer „russischen Militärbedrohung“ zu schützen und regelmäßige Übungen dort zu absolvieren. AWACS-Flugzeuge über dem Baltikum nähmen mit ihren Radaren russische Gebiete ins Visier. In der Ostsee seien ständig Nato-Kriegsschiffe mit Raketenabwehrsystemen präsent. Russische Militärs hätten keinen Zutritt mehr zum Nato-Hauptquartier in Brüssel. Nach der Krim-Krise habe die Nato also alle Beziehungen zu den russischen Streitkräften demonstrativ abgesprochen, hieß es.

    „Dass es nun keine geringsten Vertrauenskontakte zwischen den russischen und den Nato-Militärs gibt, ist ein Problem im Sicherheitsbereich – darunter auch für die europäischen Staaten. Schuld daran sind vor allem diejenigen, die die ‚Bestrafung‘ der russischen Militärs arrogant initiiert haben“, stellt Litowkin fest.

    „Nach dem Anschlag in Paris deutet die Nato nun an, dass es nicht schlecht wäre, die partnerschaftlichen Beziehungen zumindest im Kampf gegen den internationalen Terrorismus wiederaufzunehmen (…) Doch es gibt kein Vertrauen ohne Gleichheit in jeder Hinsicht. Wenn man die nationalen Interessen Russlands nicht respektiert, wird es eine solche Kooperation nie mehr geben“, schlussfolgert der Militärexperte.

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    Tags:
    AWACS-Flugzeug, Iskander-M, NATO, Viktor Litowkin, Jens Stoltenberg, USA, Russland