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    70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau (26)
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    Wladimir Putin kommt nicht zum Jubiläum der Auschwitz-Befreiung – und es steht auch nicht fest, ob die westlichen Spitzenpolitiker die Siegesfeier in Moskau besuchen werden. Die Veranstaltungen anlässlich des Sieges über die Nazis könnten einem Zeitungsbericht zufolge die Spaltung in Europa weiter vertiefen.

    Das Ende des Zweiten Weltkrieges jährt sich im Frühjahr zum 70. Mal. In einem Redaktionskommentar, den die russische Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag in ihrer Onlineausgabe veröffentlichte, heißt es: „Die Jubiläums-Feierlichkeiten könnten vom neuen Modell des russisch-europäischen Verhältnisses überschattet werden. So ist es bereits mit den geplanten Veranstaltungen anlässlich des Jahrestages der Auschwitz-Befreiung in Polen geschehen.“

    Wie die Zeitung schreibt, hat der Kreml in der vergangenen Woche zunächst mitgeteilt, Wladimir Putin werde Ausschwitz wegen seines überfüllten Terminkalenders nicht besuchen. Später stellte es sich jedoch heraus, dass Putin keine offizielle Einladung erhielt. „Manche russische Medien betrachteten dies als Missachtung der sowjetischen Soldaten, die das Vernichtungslager befreit hatten, sowie als Versuch, die entscheidende Rolle der Sowjetunion beim Sieg über das NS-Regime abzustreiten“, so der Kommentar.

    Nach Angaben der polnischen Organisatoren der diesjährigen Veranstaltungen sollen nicht die Politiker, sondern die einstigen KZ-Häftlinge in den Vordergrund rücken, deshalb wurde die Einladung nicht an konkrete Staats- und Regierungschefs, sondern an deren Länder im Allgemeinen gerichtet.

    Die Zeitung kommentiert, die russische Präsenz bei den Auschwitz-Veranstaltungen sei auch zuvor von der politischen Konjunktur abhängig gewesen. Im Jahr 2005 habe Putin persönlich Polen besucht, doch 2010 sei Russland nur durch seinen Bildungsminister vertreten gewesen, und zwar angesichts der damaligen Spannungen zwischen Moskau und Warschau.

    Putin könne diesmal allerdings nach Tschechien kommen, denn der tschechische Präsident Milos Zeman habe ihn zum Jubiläum der Befreiung des KZ Theresienstadt eingeladen. Doch die meisten Spitzenpolitiker würden zu diesem Zeitpunkt in Polen sein, stellt die Zeitung fest.

    „In der gegenwärtigen Situation wären die Folgen von Putins Begegnung mit seinen europäischen Amtskollegen unberechenbar. Diese Begegnung könnte sowohl eine Lockerung als auch eine Zuspitzung der Differenzen verursachen. Vor diesem Hintergrund hat die Regierung in Warschau offenbar eine Entscheidung getroffen, die allen recht ist“, so der Kommentar weiter.

    Die „Wedomosti“-Redaktion schlussfolgert, im Frühjahr sei es nun nicht auszuschließen, dass auch westliche Staats- und Regierungschefs die russischen Feierlichkeiten „selektiv“ besuchen würden: „Das Jubiläum des Sieges über die Nazis könnte dann von einem vereinigenden Symbol zu einem Faktor der Spaltung werden. Nur bei einem Verzicht auf das sowjetische Erbe wird es für Russland vielleicht möglich sein, gemeinsam mit anderen Ländern der Welt zu feiern.“

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    Wladimir Putin, Auschwitz, Polen