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    Trotz ihrer spektakulären Wahlversprechen wagt die griechische Linkspartei Syriza, die die Parlamentswahl soeben gewonnen hat, kaum einen Ausstieg aus dem Euroraum, prognostizieren russische Experten. Die Wahlsieger selbst kritisieren unterdessen scharf die Sanktionen gegen Moskau und den zunehmenden Einfluss Berlins.

    Die russische Zeitung „Nowyje Iswestija“ kommentiert am Montag: „Dass die Syriza-Partei auf den nationalen Stolz setzt, ist ein gewinnbringender Schachzug. Die Folgen der drastischen Sparmaßnahmen für die meisten Griechen sind kläglich. Rund 250.000 Menschen haben Griechenland angesichts der Krise bereits verlassen, um ein besseres Leben zu suchen. Selbst jetzt, wo die Regierung in Athen von einer beginnenden Erholung der Wirtschaft und von einem Haushalt ohne Neuverschuldung spricht, ist jeder Vierte im Land arbeitslos.“

    Zwar poche Syriza-Chef Alexis Tsipras in den letzten Tagen nicht mehr auf einen Ausstieg aus dem Euroraum und aus der EU, doch er wolle nicht auf sein zentrales Versprechen verzichten, bei dem es sich um einen Stopp der harten Sparmaßnahmen handelt, so der Zeitungskommentar.

    Analysten bezweifeln, dass die Syriza-Partei ihre spektakulären Pläne umsetzen kann. Sergej Utkin, Experte des Zentrums für Situationsanalyse der Russischen Akademie der Wissenschaften, erläuterte im Gespräch mit der Onlinezeitung Gazeta.ru: „So etwas passiert mit oppositionellen Parteien: Nach der Machtergreifung sind die gezwungen, die Realität zu berücksichtigen und ihre Ambitionen zu zähmen.“ 

    Trotz der radikalen Wahlrhetorik gehe es kaum um einen Ausstieg aus dem Euroraum. Auch die EU selbst werde der Erpressung der neuen Machthaber in Athen kaum nachgeben, prognostiziert Utkin: „Das griechische Bruttoinlandsprodukt beträgt nur 1/38 des Euroraums. Der hypothetische Wirtschafts-Unfug der Wahlsieger könnte zwar ein spürbarer Rückschlag sein, aber offenbar nicht tödlich.“ 

    Der Außenpolitik-Chef der Syriza-Partei, Kostas Isichos, zeigt sich trotzdem zuversichtlich. Er sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der russischen „Rossijskaja Gaseta“: „Unsere erste Aufgabe besteht darin, die Souveränität Griechenlands wiederherzustellen (…) Leider erfüllt unser Land in Sachen Außenpolitik meistens gehorsam den Willen seiner Gläubiger. Unsere zweite Priorität soll die Arbeit mit unseren politischen Verbündeten in Europa werden, um sich dem wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss enggegenzusetzen, den die Regierung in Berlin insbesondere den südosteuropäischen und den Balkan-Ländern aufzwingen will.“  

    Mittel- und langfristig brauche Griechenland neue außenpolitische Richtungen außerhalb der EU. Die Syriza-Regierung wolle insbesondere mit den BRICS-Ländern und insbesondere mit Russland zusammenarbeiten, so Isichos. 

    Er sagte weiter: „Wir haben uns strikt gegen die antirussischen Sanktionen der EU ausgesprochen. Wir haben gewarnt, dass Russland Gegenmaßnahmen treffen wird. Und wir hatten Recht damit. Manche der russischen Gegenmaßnahmen schadeten der griechischen Wirtschaft schwer – insbesondere im Agrarbereich. Unsere Agrarbetriebe verloren insgesamt rund 430 Millionen Euro wegen ihrer vereitelten Exportverträge.“ 

    „Ich denke, Griechenland mit der Syriza-Partei an der Spitze könnte als EU-Mitglied den Weg zu einem Dialog mit Russland ebnen“, meinte Isichos. Er begrüßte auch Russlands Pläne für den Bau einer Gaspipeline über die Türkei bis an die griechische Grenze.

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    Tags:
    Syriza-Partei, Alexis Tsipras, Griechenland