02:25 02 April 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 508
    Abonnieren

    Die Wahl in Griechenland sorgt international für Aufsehen: Während viele Bundespolitiker den Sieg der linken Syriza kritisch sehen, feiert die Linkspartei in Deutschland das Ergebnis als wegweisend. So auch ihr Bundesvorsitzender Bernd Riexinger: „Die Politik der Troika unter der Führung von Kanzlerin Merkel ist gescheitert“.

    Für Riexinger muss es einen dringenden Richtungswechsel geben: „Es kann in Griechenland nicht so weiter gehen. Wir wissen alle, es wurden mit den Rettungsgeldern nicht die Griechen gerettet, sondern die Banken“, sagte er im Exklusivinterview mit Sputnik-Korrespondent Marcel Joppa. „Und die reichsten Familien in Griechenland sind während der Krise noch reicher geworden. Während es große Armut in der Bevölkerung gibt: drei Millionen Griechinnen und Griechen haben keine Gesundheitsversorgung mehr, die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 60 Prozent. Ich weiß gar nicht, wie unser Land so etwas aushalten würde." 

    Riexinger war wenige Tage vor der Wahl selbst in Athen und hat Gespräche mit Alexis Tsipras geführt. "Ich weiß, dass dies ein sehr ernsthafter Politiker ist, dem das Wohl seines Volkes wirklich am Herzen liegt. Er will Griechenland aus der Armut führen. Er weiß aber auch, er muss eine wirtschaftliche Entwicklung in Gang setzen. Er hat einen Berg von Aufgaben vor sich. Ich habe aber den Eindruck, sie haben ein sehr vernünftiges und realitätsbezogenes Programm, das Griechenland tatsächlich nach vorne bringen kann." Zu den langfristigen Zielen der Syriza zählen auch Reformen, die das Wirtschaftswachstum ankurbeln sollen. Doch für Riexinger zählen auch kurzfristige Ziele: „Eine der ersten Maßnahmen einer linken Regierung in Griechenland wird sein, Essensgutscheine an 300.000 Menschen auszugeben, weil für sie die Ernährungsgrundlage nicht mehr gesichert ist. Und das in Mitten eines Kernlandes in Europa. Da sieht man erst, welche soziale Verwüstung in Griechenland angerichtet wurde."

    Einen Schuldenschnitt will Riexinger dabei für Griechenland nicht ausschließen: "Es ist völlig irreal zu glauben, dass Griechenland 227 Milliarden an die EU zurückzahlen kann. Selbst wir könnten keinen Haushaltsüberschuss von viereinhalb Prozent erzielen, bei einem weit besseren Zustand der Wirtschaft. Wenn man Griechenland nicht an die Wand fahren will und der griechischen Bevölkerung eine Chance geben will, dann muss man über die Schulden reden.“ Das ein Schuldenschnitt Griechenlands für den Euroraum fatale Folgen haben kann, hält Riexinger für unwahrscheinlich: „Ich glaube, da gibt es eine Menge Spielraum was getan werden kann, ohne das die Bevölkerung in Deutschland das bezahlen muss."

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Politik-Expertin: Griechenland ist kein Bauernopfer der Finanzkrise
    Moskau hebt Lebensmittelembargo gegen Athen bei dessen EU-Ausstieg auf
    Syriza: Russland-Sanktionen nachteilig für Frieden und Stabilität
    Bundesregierung rechnet mit Austritt Griechenlands aus Euro-Zone
    Tags:
    Syriza-Partei, Bernd Riexinger, Alexis Tsipras, Griechenland