09:03 21 September 2017
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    Pjotr Poroschenko hatte für 2015 drei weitere Teilmobilmachungen für den Kriegseinsatz im Osten des Landes verordnet

    Zwangsmobilmachung: Kiewer Experte warnt vor Aufstand und Zerfall der Ukraine

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    Vor dem Hintergrund der neuen Mobilmachung in der Ukraine warnt der Kiewer Wirtschafts- und Politikexperte Oleg Soskin vor Aufständen landesweit. Insbesondere die harten Maßnahmen der Regierung wie das Ausreiseverbot für Wehrpflichtige könnten einen Zerfall der Ukraine provozieren.

    Der ukrainische Staatschef Pjotr Poroschenko hatte für 2015 drei weitere Teilmobilmachungen für den Kriegseinsatz im Osten des Landes verordnet. Im Rahmen der ersten Mobilmachung, die am 20. Januar begonnen hat, sollen 50.000 Soldaten rekrutiert werden. Um eine Flucht von Reservisten zu verhindern, ordnete Verteidigungsminister Stepan Poltorak an, dass Männer im wehrpflichtigen Alter jetzt nur mit schriftlicher Zustimmung des Wehrkommandos ins Ausland reisen dürften.

     

    „Diese totale Zwangsmobilisierung wird nur eines zur Folge haben: Die Gebiete werden sich abspalten. Die Menschen werden rebellieren“, kommentierte Soskin im Gespräch mit der Zeitung Politnavigator. „Keine Eltern werden ihre Kinder mehr weggeben.“ Er bezeichnete die ukrainische Militärführung als „inkompetente und korrupt“. Als Beispiel verwies der Experte auf die schweren Verluste der ukrainischen Armee im Kessel von Ilowajsk Ende Sommer. Weder der damalige Verteidigungsminister Waleri Getelej noch der Generalstabschef Viktor Muschenko seien dafür zur Verantwortung gezogen worden. Auch heute würden bei Donezk täglich immer weitere Menschen sterben, so der Experte weiter. „Wofür sterben sie? Für die Clans und Oligarchenbanden?“

    Der promovierte Volkswirt Oleg Soskin (60) war in den 1990er-Jahren Berater der ukrainischen Präsidenten Leonid Krawtschuk und Leonid Kutschma. Jetzt leitet er das von ihm gegründete Institut für Transformation der Gesellschaft in Kiew. Soskin gilt als Russland-Kritiker und setzt sich für einen Beitritt der Ukraine zur Nato ein.

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    Petro Poroschenko, Ukraine, Donbass
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