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15:47 20 August 2019
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    Russia-Indien-China: Außenministertreffen in Peking

    Dreieck Russland-Indien-China: „Westen verliert Spitzenposition“

    © REUTERS / Wu Hong/Pool
    Politik
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    Eine Allianz von Russland, Indien und China könnte zu einer neuen Sicherheits- und Finanz-Architektur in Asien und weltweit beitragen. Das sagen Experten im Hinblick auf das trilaterale Außenministertreffen in Peking.

    Das russisch-chinesische Verhältnis erlebt derzeit einen „beispiellosen Aufschwung“. Das sagte am Montag der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi. Die beiden Länder seien daran interessiert, praktische Fortschritte in allen Kooperationsbereichen zu erzielen, so Lawrow weiter. Dann traf er auch mit der indischen Außenministerin Sushma Swaraj zusammen. 

    Diesen Gesprächen folgte ein trilaterales Außenministertreffen. Das russische Außenamt teilte mit, zur Erörterung stehe insbesondere die Situation in der Welt im Hinblick auf die „zunehmenden Bedrohungen für die Stabilität und für die Sicherheit“ sowie in Bezug auf die „Schwierigkeiten in der Weltwirtschaft“. Von besonderer Bedeutung sei außerdem die Zusammenarbeit im Zuge der „Umgestaltung des globalen Verwaltungssystems“, wobei die internationale Rolle des Asien-Pazifik-Raums zunehme.

    Auf Agenda stünden auch die Situation in Afghanistan, die Ukraine-Krise, das iranische Atomprogramm sowie die Lage in Syrien und im Irak. Ein weiteres Thema sei Indiens Antrag auf den Beitritt zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, hieß es.

    Gleb Iwaschenzow, Experte der Denkfabrik Russian International Affairs Council, kommentierte im Gespräch mit der Tageszeitung „Kommersant“: „Das derzeitige russisch-indisch-chinesische Außenministertreffen erfolgt vor dem Hintergrund einer schnellen Umformatierung des ganzen Systems der internationalen Beziehungen. Der Westen und die euroatlantischen Gremien verlieren ihre Spitzenposition in den internationalen Angelegenheiten. Es steigt die Nachfrage nach alternativen Verfahren für die Krisenregelung. Eines davon könnte eine Allianz von Russland, Indien und China werden. Ohne diese Länder lässt sich kein globales Problem lösen.“

    Es gehe dabei nicht um ein militärpolitisches Bündnis, sondern eher um eine Partnerschaft der drei Länder, so Iwaschenzow weiter:

    „Diese Staaten sind multinational und multikonfessionell. Jeder von ihnen hat einen wesentlichen Anteil der muslimischen Bevölkerung und wird mit der Islamismus- und Separatismus-Gefahr konfrontiert. Mit Hilfe des trilateralen Formats könnten Russland, Indien und China sowohl ihre innere Sicherheit und Stabilität untermauern als auch an der Afghanistan-, Irak- und Syrien-Regelung aktiver teilnehmen, aber auch zur Cyber-Sicherheit und zu einer gerechteren wirtschaftlichen Weltordnung beitragen.“

    Nandan Unnikrishnan, Vizechef der in Neu-Delhi ansässigen Observer Research Foundation, sagte, das russisch-indisch-chinesische Format könne künftig ein „Fundament für eine neue Sicherheits-Architektur in Asien werden“. Eine Hürde sei allerdings der Gebietsstreit zwischen Indien und China, aber auch die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen ihnen.

    Alexander Gabujew, Leiter des Asien-Programms des Carnegie Moscow Center, sieht eher schwarz für das Dreieck Russland-Indien-China. Er sagte dem Blatt: „China braucht keine russische Vermittlung für seinen Dialog mit Indien. Das Potenzial trilateraler Wirtschaftsprojekte ist ebenfalls begrenzt. China braucht dieses Format vor allem als weitere Plattform, um eine Reform der weltweiten Finanz-Architektur ins Gespräch zu bringen.“

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    Tags:
    Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, Alexander Gabujew, Nandan Unnikrishnan, Gleb Iwaschenzow, Sushma Swaraj, Wang Yi, Russland, China, Indien