22:44 18 Dezember 2018
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    Duma-Abgeordnete wollen Reparationen von Deutschland fordern

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    Abgeordnete der russischen Staatsduma wollen einem Zeitungsbericht zufolge eine Entschädigung für die einstigen Kriegsschäden von Deutschland fordern. Experten zweifeln zwar am Erfolg, halten die Initiative jedoch für gerechtfertigt – zumindest im rein historischen Sinne.

    Duma-Abgeordnete wollen eine Arbeitsgruppe bilden, um den Gesamtschaden durch den Angriff der Hitler-Truppen auf die Sowjetunion zu kalkulieren und entsprechende Reparationen von Deutschland zu fordern. Das berichtete am Dienstag die russische Tageszeitung „Iswestija“. 

    Der Abgeordnete Michail Degtjarjow (LDPR) sagte dem Blatt: „Faktisch hat Deutschland keine Reparationen für die Zerstörungen und Gräueltaten während des Krieges an die Sowjetunion gezahlt. Im Sinne des Abkommens von Jalta holte die Sowjetunion nur manche deutschen Vermögenswerte (meistens Möbel, Kleider, Industrieausrüstungen) aus dem sowjetischen Sektor. Das waren aber ohnehin Militärtrophäen, die den Kriegsschaden für die sowjetische Wirtschaft keineswegs wettmachen konnten.“

    Degtjarjow sagte weiter: „Mit der DDR, unserem Verbündeten, wurde nach dem Krieg zwar ein Abkommen über den Stopp gegenseitiger Reparationen geschlossen. Doch mit der BRD und erst recht mit dem vereinigten Deutschland gab es kein solches Abkommen. Deshalb ist die Frage offen und ziemlich aktuell. Mehr noch, Deutschland fügt Russland weiterhin Schaden zu, indem Berlin illegitime EU-Sanktionen durchsetzt.“   

    Nach Angaben einer zuständigen sowjetischen Staatskommission hatte der materielle Schaden 30 Prozent des „nationalen Reichtums“ ausgemacht und mehr als zwei Billionen Rubel betragen. Insgesamt waren 1.710 Städte, mehr als 70.000 Dörfer und 32.000 Industriebetriebe in der Sowjetunion zerstört worden. Degtjarjow sagte, Deutschland habe dabei selbst an Israel mehr als 100 Milliarden DM Entschädigung gezahlt, obwohl der jüdische Staat während des Zweiten Weltkrieges noch nicht existiert hatte.  

    „Deutschland entschädigte also sechs Millionen Holocaust-Opfer, ignorierte jedoch 27 Millionen getötete sowjetische Menschen, unter ihnen 16 Millionen Zivilisten. Ich denke, die Reparationen sollen beim gegenwärtigen Preisstand mindestens drei bis vier Billionen Euro betragen. Deutschland müsste diese Summe an Russland, den Rechtsnachfolger der Sowjetunion, zahlen. Hoffentlich werden sich auch Vertreter Weißrusslands, der Ukraine und weiterer Ex-Sowjetrepubliken unserer Arbeitsgruppe anschließen, die ebenfalls berechtigt sind, Reparationen vom vereinigten Deutschland zu fordern“, so der Duma-Abgeordnete.   

    Wladimir Komojedow, Chef des Duma-Ausschusses für Verteidigung, kommentierte: „Der Gesamtschaden durch jenen Krieg muss unbedingt berechnet werden. Wir müssen wissen, wie groß der Rückschlag für die Sowjetunion war, und zwar unter Berücksichtigung des Humankapitals, das unersetzlich verloren wurde. Hätte es den Krieg nicht gegeben, hätte die russische Bevölkerung derzeit 300 bis 400 Millionen Menschen betragen. Auch das Wirtschaftsniveau wäre ganz anders gewesen. Deshalb wären die Aktivitäten der Arbeitsgruppe durchaus nötig. Reparationszahlungen sind allerdings nur im Rahmen eines zwischenstaatlichen Vertrags möglich. Da der Krieg vor Jahrzehnten beendet wurde, ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass ein solcher Vertrag zustande kommt.“ 

    Sergej Fokin, Professor an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst, sagte dem Blatt: „Zwar wird Deutschland kaum etwas bezahlen, doch man muss an diese Geschichte erinnern – und insbesondere daran, dass die Sowjetunion in den Jahren 1946 und 1947 Züge mit Getreide geschickt hat, um die Menschen im zertrümmerten Deutschland mit Nahrung zu versorgen. In der Sowjetunion selbst gab es dabei viele Menschen in Hungernot. Frau Merkel, die sich für die neuen Sanktionen gegen Russland einsetzt, wäre vielleicht gar nicht zur Welt gekommen, hätte der Sieger dem Verlierer damals nicht geholfen.“

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    Zweiter Weltkrieg, Sergej Fokin, Michail Degtjarjow, Deutschland, Russland