07:05 08 Dezember 2019
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    Ukrainische Soldaten im Lugansk-Gebiet

    Osteuropa-Experte: Stellvertreterkrieg der USA in der Ukraine ist möglich

    © AFP 2019 / Anatoli Boiko
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    Das Thema USA-Waffenlieferung an die Ukraine ist trotz der Dementis aus Washington nach Meinung Daniele Gansers noch nicht vom Tisch. Sputnik-Korrespondent Armin Siebert hat mit dem Friedensforscher und Osteuropa-Experten gesprochen.

    Auf der Sicherheitskonferenz in München werden Amerikas Vizepräsident Joe Biden, der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko und Russlands Außenminister Sergej Lawrow unter anderem auch die geplanten Waffenlieferungen ansprechen.  „Das Thema ist leider nicht vom Tisch, weil die Amerikaner eben in der Ukraine ein Akteur sind. Und wenn sie jetzt noch offen Waffen liefern würden, dann wäre das eine gefährliche Eskalation“, erklärt Daniele Ganser. Der Schweizer Geschichtsprofessor gilt als Osteuropa-Experte befürchtet sogar einen Stellvertreterkrieg in der Ukraine. „Das ist etwas, von dem schon jetzt viele Beobachter ausgehen, dass dort ein Stellvertreterkrieg läuft, dass amerikanische Akteure schon die derzeitige ukrainische Regierung ins Amt gebracht haben“, so Ganser weite. Er zitiert den früheren CIA-Offizier Ray McGovern, der den Umsturz in der Ukraine vom Februar 2014 als einen vom Westen gesponserten Putsch bezeichnet hat.

    Ganser kritisiert die Aussage des Leiters der am Wochenende stattfindenden Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, der mögliche Waffenlieferungen der USA als Druckmittel sieht, um den Frieden zu erzwingen. „Es ist falsch, wenn man glaubt, dass, wenn man in ein Gebiet Waffen liefert, dies zu mehr Frieden führt. Das Gegenteil ist der Fall.“ Die Haltung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt Ganser, allerdings gibt er zu bedenken: „Wenn die USA genug Druck ausüben, kann es sein, dass Berlin seine Position wieder ändert.“

    Ausschlaggebend sei bei den jetzigen Entwicklungen auch der Beginn des Krieges: „Da fand ich sehr interessant, was der ukrainische Parlamentarier Oleg Zarjow bereits im November 2013 gesagt hat, nämlich, dass aus der amerikanischen Botschaft heraus ein Bürgerkrieg in der Ukraine vorbereitet wird und der amerikanische Botschafter Geoffrey Piot hierbei die Fäden zieht.“ Die Befürchtungen des ehemaligen Kreml-Chefs Michail Gorbatschow, dass der Ukraine-Konflikt in einen "totalen Krieg" zwischen Russland und dem Westen münden könnte, teilt Ganser zwar nicht, aber man müsse dennoch Vorsicht walten lassen, da die USA und Russland Nuklearmächte seien.

    Eine Lösung der Ukraine-Krise scheint vorerst nicht in Sicht, der Krieg spitzt sich zu. Ganser warnt vor einer Verkrustung der Positionen der Politiker: „Mich dünkt, dass Kiew und die installierte Regierung von Poroschenko nicht wirklich gewillt ist, die Gewaltspirale zurückzudrehen. Es wäre gut, wenn man in diesem Bürgerkrieg, in dem Brüder Brüder erschießen, die Parteien zu einem Waffenstillstand verpflichten könnte. Und es wäre auch wichtig, dass Poroschenko sagt, dass die Ukraine keinesfalls in die Nato eintritt, weil es ja das ist, was Russland auf keinen Fall will. Die USA wiederum will die Ukraine in die Nato hereinzerren. Und dieses Gezerre führt zu sehr viel Blutvergießen.“

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    Waffen, Münchner Sicherheitskonferenz 2015, NATO, Oleg Zarjow, Wolfgang Ischinger, Angela Merkel, Daniele Ganser, Ray McGovern, Sergej Lawrow, Petro Poroschenko, Joe Biden, Russland, Ukraine, USA