01:26 27 Januar 2020
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    Die USA stiften Chaos und Zwietracht weltweit, um ihre eigenen Probleme auf fremde Kosten zu lösen. Das sagte Nikolai Patruschew, Chef des russischen Sicherheitsrates, in einem Zeitungsinterview. Er warf Amerika vor, die Ukraine-Krise zu instrumentalisieren, um Russland zu schwächen.

    In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der „Rossijskaja Gaseta“ sagte Patruschew, derzeit gebe es eine absichtliche Verzerrung historischer Fakten, indem die Rolle der Sowjetunion beim Sieg über Nazi-Deutschland heruntergespielt werde. Dies geschehe „unter der amerikanischen Regie“ und mit Nachsicht der einstigen Alliierten. 

    „Letztendlich konnten ja ausgerechnet die USA von ihrer Kriegsbeteiligung wirtschaftlich und politisch profitieren. Es geht sowohl um die Überwindung der Great Depression als auch um den Aufbau einer politischen Nachkriegswelt, wobei die USA die dominierende Rolle im Westen übernahmen. Ihre Spitzenposition bekräftigten die Amerikaner vor allem dadurch, dass sie die Sowjetunion als ‚Reich des Bösen‘ brandmarkten und dem Westen entgegensetzten“, betonte Patruschew.  

    Später habe Amerika beschlossen, die 2008 entbrannte Weltfinanzkrise auf fremde Kosten zu überwinden, und zwar durch „Kriegsabenteuer“ und durch die Zerstörung ganzer Staaten anhand der Theorie des „gelenkten Chaos“. Die USA seien bestrebt, Zwietracht zwischen Ländern und Regionen zu stiften. Amerika fürchte sich panisch vor Integrationsprojekten ohne seine Beteiligung. Washington wolle Europa „um jegliche Selbständigkeit bringen und endgültig unterwerfen“, Ein „rotes Tuch“ für die USA sei die von Russland initiierte Eurasische Wirtschaftsunion, hieß es.

    Die Ukraine-Krise werde als Vorwand für die Eindämmungspolitik gegen Russland instrumentalisiert. Die Ukraine selbst sei für die USA kaum interessant, Washington wolle nur Russlands Positionen schwächen, so der Vorwurf. 

    „Besonderen Wert wird darauf gelegt, die russische Wirtschaft und vor allem das russische Finanzsystem zu untergraben. Die US-Regierung rechnet damit, dass die getroffenen antirussischen Maßnahmen eine Verschlechterung der Lebensqualität in Russland verursachen und auf Massenproteste hinauslaufen. Dies soll russische Bürger zu einem Machtwechsel bewegen, und zwar durch ‚Farbrevolution‘-Szenarien. Im US-Haushalt werden unverhohlen Ausgaben für ein Vorgehen gegen Russland verankert“, behauptete Patruschew.    

    In der Ukraine und im Baltikum sei derzeit eine Wiedergeburt des Nazismus mit Fackelzügen und Märschen ehemaliger SS-Leute zu beobachten, wobei Europa Nachsicht übe und Amerika sogar als Anstifter agiere. Die Nationalisten seien die wichtigste Stoßkraft des Staatsstreiches in Kiew gewesen, sagte der Chef des russischen Sicherheitsrates.  

    „Nun orientiert sich die ukrainische Führung einzig an der US-Politik, der auch die EU und die Nato folgen. Ich denke, der Westen wird die ukrainische Wirtschaft in eine Sackgasse führen. Seine Hilfe für Kiew kann keine praktischen Ergebnisse bringen. Niemand hat wirklich vor, den Lebensstandard in der Ukraine zu erhöhen oder junge Ukrainer in Europa unterzubringen. Die Europäer meistern ja nur mühsam ihre eigenen Herausforderungen und Bedrohungen“, so Patruschew weiter.

    Er prangerte den ukrainischen Militäreinsatz im Donezbecken an. Die daran beteiligten Truppen  nähmen Wohnviertel unter Beschuss. Tausende Zivilisten seien ums Leben gekommen. Die ukrainische Armee habe Streumunition gegen zivile Anlagen eingesetzt, diese Tatsachen seien durch die OSZE und die Menschenrechtsorganisation HRW bestätigt worden. Am ukrainischen Militäreinsatz nähmen auch Terroristen teil, unter ihnen etwa Adam Osmajew aus Tschetschenien: Die Kiewer Führung habe ihn zuvor als Terroristen eingestuft, doch nun werde er als Kommandeur eines Bataillons akzeptiert. 

    Patruschew sagte, Washington schaue über all dies hinweg: „Die Amerikaner und ihre Verbündeten bezeichnen Russland nach wie vor haltlos als Aggressor. Eine solche Erklärung hat etwa US-Außenminister John Kerry in Kiew abgegeben. Ihn stört nicht einmal die Tatsache, dass die Märchen von einer Präsenz russischer Truppen in der Ukraine sogar vom ukrainischen Generalstabschef dementiert wurden. Russland setzt sich eindeutig für die territoriale Integrität der Ukraine innerhalb der bestehenden Grenzen ein – unter der Bedingung, dass Kiew bereit ist, die Meinung der ukrainischen Regionen und verschiedener Bevölkerungsgruppen zu hören und zu berücksichtigen.“

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    Tags:
    Sicherheitsrat Russlands, Nikolai Patruschew, Russland, USA