04:17 16 Dezember 2019
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    BBC enthüllt: Erste Schüsse auf Maidan kamen von Seiten der Opposition

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    Politik
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    Ein Jahr nach den blutigen Ereignissen auf dem Kiewer Protestplatz Maidan, die zum Staatsstreich in der Ukraine führten, präsentiert BBC die Ergebnisse einer eigenen Recherche, die zeigt, dass die ersten Schüsse nicht von Seiten der Sicherheitskräfte, sondern aus der anderen Richtung gekommen waren.

    Die Ergebnisse der Recherche werden dem jetzigen ukrainischen Staatschef Pjotr Poroschenko und seinem Team kaum gefallen, kommentiert die russische Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. Denn die neue Kiewer Regierung gab der Vorgängerführung unter Präsident Viktor Janukowitsch die Schuld. Auch westliche Journalisten, darunter auch von BBC, machten Janukowitsch für den Tod von Dutzenden Menschen auf dem Maidan verantwortlich.

    Nach den neuen Erkenntnissen der BBC hatten nicht Polizisten, sondern Protestler als erste geschossen. In einem Beitrag zitiert die BBC einen Schützen, der im Februar 2014 selber auf Polizisten der Spezialeinheit Berkut geschossen hat. Der Mann, der sich als Sergej vorstellte, berichtete, dass er Ende Januar von einem ehemaligen Offizier aus der Protestbewegung für den Einsatz angeworben worden sei. Der Offizier habe Sergej ausdrücklich verboten, an den Zusammenstößen auf dem Maidan teilzunehmen, und gesagt, dass seine Zeit noch kommen werde.

    „Ich war einen Monat lang mit anderen Demonstranten auf dem Maidan“, erzählte Sergej. „Am 19. Februar wurde ich mit einem Mann zusammengeführt, der mir eine 12mm-Schrotflinte und ein Saiga-Jagdgewehr anbot. Ich entschied mich für Saiga und versteckte die Waffe im Gebäude der Post.“ Am frühen Morgen des 20. Februars bezog Sergej gemeinsam mit einem anderen Schützen im Konservatorium südwestlich des Maidan-Platzes Stellung. „Wir haben rund 20 Minuten auf die Polizisten geschossen“, sagte der Mann der BBC. „Unsere Schüsse zwangen sie zum Rückzug.“ Er habe auf die Füße der Polizisten gezielt.

    Die ukrainische Opposition hatte im Februar den Staatschef Viktor Janukowitsch gestürzt. Dem Umsturz waren gewaltsame Ausschreitungen auf dem Kiewer Hauptplatz Maidan vorausgegangen, bei denen rund 80 Demonstranten und Ordnungskräfte getötet wurden. Viele wurden von unbekannten Schützen erschossen. Die neue Führung machte die Vorgängerregierung und die mittlerweile aufgelöste Spezialeinheit „Berkut“ dafür verantwortlich. Doch schon zwei Wochen später sprach der estnische Außenminister Urmas Paet in einem abgehörten Telefonat mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton von Hinweisen darauf, dass hinter den Todesschüssen nicht Janukowitsch, sondern jemand von der neuen Koalition gestanden habe.

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    Tags:
    Maidan, EU, Urmas Paet, Catherine Ashton, Viktor Janukowitsch, Ukraine