16:46 15 August 2020
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    Die griechische Politik ist deutlich entschlossen, im Euro zu verbleiben. Laut Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft ist dadurch das Drohpotential Griechenlands gegenüber der EZB eingeschränkt.

    Die Europäische Zentralbank (EZB) und Griechenland befinden sich auf Konfrontationskurs. Die jüngsten Verhandlungen zwischen dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis und seinen Amtskollegen aus der Euro-Gruppe haben keine Fortschritte gebracht und sollen am kommenden Montag fortgesetzt werden. Die Forderungen Griechenlands liegen auf der Hand: Das Land möchte mehr Schulden bei privaten Gläubigern aufnehmen, das wiederum erlaubt die EZB nicht.

    „Sollte Griechenland mehr Schulden bei privaten Gläubigern aufnehmen, würde das damit einhergehen, dass Griechenland Mittel, die von den europäischen Partnern in Aussicht gestellt sind, nicht in Anspruch nehmen möchte und das geht dann auch mit dem mehr oder minder Rauswurf der Troika einher“, sagte Boysen-Hogrefe in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. Dies liege nicht im Interesse der EZB, die vielmehr darauf baue, dass Griechenland Schulden aufnehme, die weiterhin an deutliche Bedingungen gebunden seien.

    „Gleichzeitig hat die EZB deutliche Sanktionsmittel zur Hand und kann die Annahme von griechischen Staatsanleihen mit guten Gründen verweigern“, so Boysen-Hogrefe  weiter. „Das würde dann wiederum die griechischen Banken vor das Problem stellen, Liquidität für das Eurosystem zu generieren. Das heißt, eine Liquiditätskrise des griechischen Bankensektors steht im Raum und das zeigt, welche Machtmittel letztlich die EZB hat." Die Möglichkeit, dass Griechenland Russland um finanzielle Unterstützung bitten wird, hat Finanzminister Giannis Varoufakis am Mittwoch in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ zurückgewiesen. Laut Boysen-Hogrefe wäre ein Hilfskredit von Russland oder einem anderen dritten Partner „eine Form der Konfrontation mit der EZB, die dann wahrscheinlich dazu führen würde, dass die EZB oder auch von Seiten anderer europäischer Partner sehr deutliche Reaktionen stattfinden würden“.

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    Tags:
    Europäische Zentralbank (EZB), Jens Boysen-Hogrefe, Griechenland