00:14 26 September 2017
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    Antirussische Stimmung in USA

    „Bär fletscht die Zähne“: Antirussische Stimmung in USA stark wie nie

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    Politik
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    Fast jeder zweite Amerikaner betrachtet Russland als militärische Gefahr für die USA, wie eine Umfrage ergab. Dies hängt mit der Ukraine-Krise zusammen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion hatte die antirussische Stimmung in Amerika mehrere Tief- und Höhepunkte. Ein russischer Auslandsexperte sieht auch einen Einfluss von Washingtons Propaganda.

    Die Haltung der US-Amerikaner zu Russland ist derzeit negativ wie nie. Nicht einmal in den 1960er Jahren, als der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow den USA direkt drohte, war die Kluft so tief. Das sagte Viktor Misin, Experte der Moskauer Diplomaten-Uni MGIMO, im Gespräch mit der russischen Onlinezeitung Gazeta.ru. 

    So kommentierte er die Ergebnisse der jüngsten Gallup-Umfrage, wonach 49 Prozent der Amerikaner Russland für eine kritische Militärgefahr halten. 18 Prozent der Befragten stuften Russland dabei als Hauptgegner ein – selbst Nordkorea rangierte mit 15 Prozent nur auf Platz zwei.  

    Die zunehmende Angst vor Russland hängt nach Ansicht der Soziologen direkt mit der Ukraine-Krise zusammen. Vor drei Jahren hatten nur zwei Prozent der US-Bürger Russland als Hauptfeind gebrandmarkt. Im Jahr 2014 stieg dieser Anteil auf neun Prozent. Nun erreichte er seinen Höhepunkt. 

    Generell verhalten sich 70 Prozent der Amerikaner im Moment negativ zu Russland. Seit 1989, als Gallup mit seinen Umfragen zum Thema begonnen hatte, gab es mehrere Schwankungen. In den 1990er Jahren war die amerikanische Einstellung zu Russland stabil positiv. Als Moskau im Jahr 1999 die Nato-Luftangriffe auf Jugoslawien scharf verurteilte, nahm die negative Stimmung in den USA zu. Nach den 9/11-Anschlägen gab es wieder einen positiven Trend und sogar einen historischen Rekord: Zwei Drittel der Amerikaner lobten Russland. Der von Moskau angeprangerte Irak-Krieg leitete eine weitere Abkühlung ein. Einen neuen Tiefpunkt gab es nach dem Südossetien-Krieg im Jahr 2008: Damals wurde Russland von 48 Prozent der Amerikaner negativ beurteilt.

    Viktor Misin kommentierte weiter, seit 1999 werde Russland von den Amerikanern nicht mehr als Demokratie in Entwicklung betrachtet. Im Hinblick auf die Politik des damaligen russischen Ministerpräsidenten Jewgeni Primakow habe man in den USA begriffen, dass Russland seinen eigenen Weg gehe. Auch das russische Vorgehen in Tschetschenien habe die USA irritiert. 

    Der Beginn der Ukraine-Krise sei ein weiterer Wendepunkt gewesen. Nach Ansicht der Amerikaner habe der russische Bär damals „die Zähne gefletscht“. Eigentlich sei diese Einstellung derzeit für die meisten westlichen Länder charakteristisch, so der russische Experte. 

    Er wies darauf hin, dass manche in den USA Russland mit dem „Islamischen Staat“ oder mit dem Ebola-Virus vergleichen, d.h. mit einem unkontrollierbaren chaotischen Bösen. Laut Misin geht es dabei um Washingtons gescheiterte PR-Bemühungen: „Derzeit ist eine der schwächsten US-Regierungen an der Macht – selbst im Vergleich zur Bush-Regierung. Sie versagt überall.“ 

    Aber auch die Einstellung der Russen zu den Vereinigten Staaten ist nicht gerade freundlich, wie eine Umfrage des Lewada-Zentrums in der vergangenen Woche bestätigte. 42 Prozent der Befragten sagten, ihre Einstellung zu den USA sei eher schlecht. Weitere 39 Prozent räumten eine „sehr schlechte“ Haltung ein. Nur 13 Prozent sprachen von ihrer generell guten Einstellung zu Amerika. Auch die historischen Tiefpunkte waren ähnlich gewesen: der Jugoslawien-, der Irak- und der Südossetien-Krieg.

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    Tags:
    Gallup, Lewada-Zentrum, Viktor Misin, USA, Russland
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