04:41 25 September 2017
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    Polnische Präsidentschaftskandidatin Magdalena Ogorek

    Blondine im Wahlkampf: „Gesicht des nicht russlandfeindlichen Polen“

    © AFP 2017/ Janek Skarzynski
    Politik
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    Die polnische Präsidentschaftskandidatin Magdalena Ogorek plädiert für bessere Beziehungen zu Russland und für einen Dialog mit Wladimir Putin. Generell gibt es in Europa genug politische Kräfte, die keinen Zank mit Moskau wollen. Was sie vereinigt, ist laut Beobachtern die Kritik an der gegenwärtigen EU-Integration.

    Alexej Puschkow, Chef des auswärtigen Ausschusses der russischen Staatsduma, hat Ogoreks Kandidatur begrüßt. „Magdalena Ogorek, Präsidentschaftskandidatin der polnischen Linken, ist ein angenehmes Gesicht des nicht russlandfeindlichen Polen. Es ist erfreulich zu sehen, dass es auch ein solches Polen gibt“, twitterte er.

    Ogorek wurde vom Bund der Demokratischen Linken (SLD) nominiert. Nach eigenen Worten will sie die Beziehungen zu Moskau verbessern. „Russland ist und bleibt immer unser Nachbar“, sage Ogorek beim Parteitag am vergangenen Wochenende, wie der russische TV-Nachrichtensender Rossia-24 berichtete.

    Im Fall ihres Wahlsieges will die 35-jährige Kandidatin einen Dialog mit Wladimir Putin einleiten: „Ich werde keine Angst vor Telefonaten haben. Ich werde den russischen Präsidenten selbst anrufen“.

    Nach dem Beginn der Ukraine-Krise hatte die antirussische Stimmung in Polen drastisch zugenommen. Im Jahr 2014 bestätigten 81 Prozent der Polen ihre negative Haltung zu Russland, wie eine Umfrage von Pew Research ergab.

    Ogorek kritisierte ebenfalls Russlands Vorgehen in Sachen Ukraine, warnte aber davor, Russland als Hauptfeind zu betrachten. Der Chef ihrer Partei, Ex-Ministerpräsident Leszek Miller, hatte zuvor gesagt, der Konflikt in der Ukraine lasse sich nicht militärisch lösen.

    Die SLD-Kandidatin ist eine diplomierte Historikerin, hat einen Doktorgrad und gilt als Expertin für europäische Integration. Sie arbeitete bei verschiedenen Behörden, darunter auch im Außenministerium. Außerdem ist sie durch ihre Rollen in polnischen TV-Serien und Filmen bekannt.

    Ihre Partei hält derzeit 34 der insgesamt 450 Sitze im Sejm, dem Unterhaus des polnischen Parlaments. Ogoreks Siegeschancen bei der Präsidentenwahl sind vorerst gering: Im Moment liegen ihre Zustimmungswerte bei fünf Prozent.

    Die Konkurrenten sind stark. Ogorek muss unter anderem gegen den derzeitigen Präsidenten Bronislaw Komorowski antreten, der als Favorit gilt. Auch Platz zwei im Wahlkampf rangiert laut Umfragen der rechtskonservative Kandidat der PiS-Partei, Andrzej Duda.

    Die russische Onlinezeitung Gazeta.ru kommentierte: „Trotzdem haben diejenigen in Europa, die mit Moskau sympathisieren, erneut eine Verstärkung bekommen. Zwar sind die meisten Politiker wie Ogorek (zumindest vorerst) nicht in der Lage, die politischen Spitzenrollen in ihren Ländern zu beanspruchen. Es ist aber interessant, dass es unter den europäischen ‚Dissidenten‘ Menschen verschiedener und manchmal diametral entgegengesetzter Ansichten gibt.“

    Die Zeitung erwähnt in diesem Zusammenhang die bulgarischen Linkspolitiker, die französischen Nationalisten um Marine Le Pen und die deutschen Parteien wie die AfD und Die Linke.

    „Das Wichtigste, was diese politischen Kräfte vereinigt, sind nicht die Sympathien mit Russland, sondern der Antiamerikanismus und die Unzufriedenheit mit der EU-Integration in ihrer derzeitigen Form. Moskau ist für sie eher ein taktischer Verbündeter oder sogar ein Symbol für die Ablehnung des gegenwärtigen Systems der internationalen Beziehungen“, so der Kommentar.

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    Tags:
    Wladimir Putin, Magdalena Ogorek, Alexej Puschkow, Polen