17:17 27 Oktober 2020
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    Ein Nescafé-Vorgehen, also nur ein Löffel Diplomatie samt heißem Wasser, hilft in der Regelung der Ukraine-Krise nicht, sagt Botschafter Berthold Hans-Friedrich von Ploetz. Strategische Geduld sei erforderlich, damit die wiederstrebenden Interessen ausgeglichen werden.

    Die Friedensstrategie müsse fortgesetzt werden, meint Berthold Hans-Friedrich von Ploetz, deutscher NATO-Botschafter und Ständiger Vertreter im NATO-Rat von 1989 bis 1993, Botschafter in der Russischen Föderation von 2002 bis 2005. „Die allgemeine Einschätzung des ganzen Konfliktes ist gekennzeichnet von  selektiver Wahrnehmung der Ursachen und von einer großen Ungeduld, das heißt es gibt einen ganz schwierigen Konflikt, der teilweise mit Waffengewalt ausgetragen wird, schrecklicher Rückkehr des Krieges nach Europa. Man erwartet, dass ähnlich wie mit Nescafé ein Löffel Diplomatie, heißes Wasser — und eine Lösung des Problems möglich ist. Das geht so nicht, man braucht strategische Geduld“, sagte von Ploetz für Sputnik-Korrespondentin Marina Piminowa. 

    Zur Strategie gehört es dem Botschafter zufolge, dass die Frage gestellt und geantwortet wird, „zumindest hinter verschlossenen Türe, nämlich wie stellen sich insbesondere die Russische Föderation  und, vertreten durch Deutschland und Frankreich, die Europäischen Union ein gedeihliches, friedliches und freundschaftliches Zusammenleben in der Zukunft vor. Wenn man hierfür gemeinsame Vorstellungen und Perspektiven, strategisches Ziele hat, bin ich überzeugt, es gelingt, mit dem aktuellen Konflikt besser und erfolgreicher umzugehen“, so Botschafter von Ploetz weiter. 

    Die jüngste CDU-Initiative, Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Friedensnobelpreis zu nominieren, sei von Ploetz zufolge durchaus erklärbar: „Die Bundeskanzlerin vertritt in dieser Krise eine sehr überlegte, langfristig angelegte und konstruktive Linie. Die Tatsache, dass sie alle Maßnahmen, die zu einer militärischen Eskalation führen könnten, entschlossen abgelehnt hat, ist ein wichtiger Beitrag, ich hoffe, die Entwicklungen vor Ort nicht dazu führen würden, dass sie diese Haltung revidieren müsste.“

    Die fast 17 Stunden Minsker Verhandlungen im Normandie-Format haben „die bisher besten Stufen“ in der Konflikt-Regelung hervorgebracht, erklärt  Dr. Günter Burghardt, ehemaliger EU-Botschafter in den USA, im Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Marina Piminowa. „Die beiden Texte von Minsk, von denen nur eins von vier Parteien unterschrieben wurde, das andere ist Absichtserklärung, sind ein Fahrplan, an dem bei jedem Punkt der Vereinbarung gearbeitet werden muss, und zwar in gutem Glauben“, so Burghardt. 

    Eine gemeinsame Zukunftsvision der gegenwärtigen Konfliktparteien ist für die Lösung des Konfliktes notwendig, einigen sich die Diplomaten. „Ich sehe, dass es eine Chance gibt, wenn sich die sogenannte Normandie-Formation weiterhin auf der Grundlage dieser beider Texte voran bewegen wird, dass wir in einer Situation zurückkommen können, dass wir Russland einschließende europäische Konzepte auch in der praktischen Politik wiederaufgreifen können“, so Günter Burghardt. 

    „Wenn wir die Perspektive gemeinsam teilen, dass Russland, die EU und natürlich die Ukraine zu einem gemeinsamen Raum gehören sollen, in dem z.B. alle in ihrem nationalen Bereich sicherstellen, dass die Regierung die Gesetze des eigenen Landes achtet, das Eigentum der Bürger anerkennt und schützt, dann sind wir auf richtigem Weg“, meint von Berthold Hans-Friedrich von Ploetz.

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    Tags:
    EU, NATO, Günter Burghardt, Berthold Hans-Friedrich von Ploetz, Angela Merkel, Russland, Ukraine